Krasse Kröte

Woher kommt der Begriff Steinkohlendeutsch? (Yaez-Leser)

Wenn Holländer Deutsch sprechen und dabei Teile des Niederländischen und Deutschen vermischen, sprechen sie „Steinkohlendeutsch“. Woher kommt der Begriff? (YAEZ-Leser)

Liebe/r YAEZ-Leser/in,

vielen Dank für deine Frage – sie hat mir die krasseste Recherche verschafft, die ich bisher durchführen durfte. Ich habe nämlich erst mal gar nichts herausgefunden. Die Gesellschaft für deutsche Sprache, die eine sehr gute Sprachberatung anbietet und extra für mich nachgeforscht hat, auch nicht. Mysteriös. Gibt es den Begriff „Steinkohlendeutsch“ überhaupt oder handelt es sich hierbei um ein Nessie der deutschen Sprache (=irgendwo mal verschwommen gehört, aber nie nachgewiesen)? Hast du dir das Wort vielleicht einfach ausgedacht, um uns zu testen? Sei ehrlich!

Ich habe also meine Siebenmeilenstiefel angezogen und mich via Telefonhörer ins Loch Ness der niederländischen Sprache begeben. Dortige Einheimische konnten mir helfen, die Antwort zu finden.

Der Begriff „Steinkohlendeutsch“ existiert in der niederländischen Sprache, ist also scheinbar ein Lehnwort in der deutsch-niederländischen Grenzregion. Steenkolenduits wiederum ist eine Analogie des Begriffes Steenkolenengels, Steinkohlenenglisch. Und dann findet sich auch die Lösung.

Um 1900 herum handelten die Niederlande und Großbritannien über den Seeweg mit Steinkohle. Nun ist der Niederländer ja an sich ein guter Händler und dementsprechend auch sehr sprachgewandt – der gemeine niederländische Hafenarbeiter um 1900 aber sprach eher ein Wirrwarr aus niederländischen und englischen Wörtern, Satzbau und Sprichwörtern. Daher bezeichnete man die Kommunikation dieser niederländischen Hafenarbeiter mit den britischen Besatzungen der Steinkohleboote als „Steinkohlenenglisch“. Das Wort hat Flügel bekommen und wird auch heute noch verwendet, um niederländisch eingefärbtes, schlechtes Englisch zu bezeichnen.

Wenn du wissen möchtest, wie das klingt, schau dir englische Reden von unserem deutschen EU-Kommissar Günther Oettinger oder unserem Ex-Außenminister Guido Westerwelle an. That makes them nobody so quick after und man wird foxdevilswild, wenn man einigermaßen gut Englisch speakt.

Ich kann meinen Verdacht also zurücknehmen – du hast dir dieses Wort nicht ausgedacht. Steinkohlendeutsch ist auch kein begriffliches Phänomen. Wenn Deutsche Niederländisch sprechen und dabei beide Sprachen wild vermischen, nennt man das übrigens ganz klangvoll Prlwitzkowskiniederländisch. Wenn man das ausspricht, fühlt man sich, als ob man Steinkohle im Mund hat. Vielleicht trinken wir Deutschen deswegen so gerne mit unseren niederländischen Nachbarn ein Bierchen. Das ist international und niemals verkehrt.

Viele liebe groeten,
Kristin

Ein großes Dankeschön geht an die niederländische Germanistin Charlotte Reijngoudt-Giesbers, die mir letztendlich den entscheidenden Hinweis geben konnte. Hartstikke bedankt!

PS: Weitere krasse Fragen und Antworten gibt es unter www.krassekroete.de

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