Krasse Kröte

Wie wird mein Mitbewohner ordentlicher? (Lara, 18)

Wie schaffe ich es, dass mein Mitbewohner ordentlicher wird? Unser Hauseingang ist wirklich eng und trotzdem schafft er es, dort einen Müllsack, Blumenerde und 4 Paar Schuhe zu verstauen. Von den einzelnen Räumen will ich gar nicht erst anfangen. Meine „Erziehungsmaßnahmen“ sind bisher kläglich gescheitert. Irgendwelche Tipps?
(Lara, 18)

Liebe Lara,

das ist ein echtes Thema, sich mit Mitbewohnern bei der häuslichen Ordnung zu arrangieren. Du bist eine von vielen, die hierzu unseren Rat sucht…

„Erziehen“ ist ein großer und auch etwas selbstgefälliger Anspruch. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass es sich bei Deinem Mitbewohner nicht um ein kleines Kind handelt, der noch Erziehung braucht? Wahrscheinlicher scheint mir, dass er ein junger Erwachsener von 18+ Jahren ist. Und da sind wir auch schon beim Kern der Sache: Mein Tipp ist, Euch auf dem Thema auf Augenhöhe zu begegnen, sowie zwei junge Erwachsene. Wenn Du den Anspruch hast, ihn erziehen zu wollen, bringst Du ihm das auch genauso rüber… und was macht man (also die meisten Menschen, die ich kenne, mich eingeschlossen), wenn man sie im Erwachsenenalter erziehen möchte? Richtig! Man schaltet auf stur oder rebelliert sogar. Also, wenn meine Mitbewohnerin mich versucht hätte zu erziehen, wären wahrscheinlich noch mehr Gegenstände im Flur aufgetürmt worden… nicht weil ich es unordentlich mag, sondern aus Prinzip.

Ich kann sehr gut verstehen, dass es Dich mächtig nervt, mehrmals am Tag einen Hürdenlauf um und über Schuhe, Blumenerde und Müllsäcke zu machen. Den Geruch möchte ich mir bei sommerlichen Temperaturen gar nicht ausmalen. Doch auch wenn Du Dich noch so sehr im Recht wähnst, wer gibt Dir das Recht, ihn zur Ordnung zu erziehen?

Was ist seine Auffassung von Ordnung? Habt Ihr Euch darüber schon mal unterhalten?

Ordnung ist ja ganz subjektiv – liegt wie Schönheit sehr im Auge des Betrachters. „Ordnung ist das halbe Leben“, so der bekannte Ausspruch vom großen Schriftsteller Heinrich Böll. Was wenige wissen, dass er weiter fragt, „woraus mag die andere Hälfte bestehen?“. Sein Zeitgenosse aus Frankreich, Albert Camus, sagte „Äußere Ordnung ist oft nur der verzweifelte Versuch, mit einer großen inneren Unordnung fertig zu werden“. Vielleicht hält es Dein Mitbewohner auch mit dem bekannten Zitat: „Im Chaos regiert die Kreativität“?

Was Du ordentlich findest, empfindet Dein Mitbewohner vielleicht als peinlichst penibel, kreativitätstötend und echt spießig. Vielleicht denkt er sich, dass sogar seine Mutter weniger nervig auf dem Ordnungsthema war… Du wiederum hältst Deinen Mitbewohner für den größten Chaoten und bist von seinen unordentlichen Eskapaden richtig abgenervt… Wer hat jetzt Recht?

Also, redet miteinander und zwar – und das ist der ganz wichtige Teil, der über Erfolg entscheidet: SACHLICH! Das bedeutet „in der Sache“ und NICHT auf Beziehungsebene und NICHT erzieherisch, also nicht im Imperativ („Du musst…“, „wenn Du nicht das und das machst, dann werde ich jenes und dieses machen…“). Bitte Deinen Mitbewohner zu einem Gespräch, mit Ruhe und ohne Aggressionen oder Anschuldigungen. Beschreibe ihm sehr sachlich, was Dich stört und was Du Dir wünschst. Frage ihn, was er sich auf dem Thema des Miteinanderwohnens wünscht. Überlegt gemeinsam und ganz ehrlich, ob Ihr Eure Wünsche realisieren möchtet, also ein Miteinanderwohnen möglich machen möchtet. Es ist Eure Entscheidung – Ihr habt auch durchaus die berechtigte Möglichkeit, Eure WG aufzulösen.

Wenn Ihr gemeinsam zum Schluss kommt, dass Ihr weiter miteinander eine Wohnung teilen möchtet, dann überlegt, wie das gehen kann, wie er mehr Ordnung halten kann und Du ggf. ein wenig gelassener auf dem Thema werden kannst. Also ganz klassisch: Was ist Euer kleinster gemeinsamer Nenner, auf den Ihr Euch einlassen könnt. Handelt diesen gemeinsam und fair aus. Vereinbart einen Zeitraum, in dem die Maßnahmen greifen sollten. Setzt Euch nach der vereinbarten Zeit wieder zusammen und beurteilt, ob es geklappt hat, was nicht geklappt hat, was Ihr machen könnt, dass es besser klappt. Und dann könnt Ihr den nächsten Meilenstein vereinbaren.

Sollte das nicht funktionieren, dann denke daran, dass auch einfach Auseinanderziehen eine Lösung sein kann: Ihr seid WG-Partner und nicht verheiratet (oder?). Wenn es nicht klappt, obwohl Ihr es versucht habt, dann ist das so und auch nicht das Ende der Welt. Dann gibt es andere Lösungen. Bevor ich mich immerfort über einen WG-Bewohner ärgern müsste, dann würde ich eher die WG beenden… das Leben ist kurz und zu schön, um sich über vier Paar müffelnde Schuhe, den ekligen Müll und die vor sich hinrottende Blumenerde im Miniflur zu ärgern. Wie man einen Mitbewohner loswerden kann, hat meine Blog-Kollegin Stefanie beantwortet.

Ich wünsche Dir erwachsene Gespräche mit Deinem Mitbewohner und Dein gewünschtes Mindestmaß an Ordnung in der WG!
Anja

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