Krasse Kröte

Wie werde ich meinen Mitbewohner los? (Emilia, 23)

Kurz zusammengefasst: Mich nervt das WG-Leben mit meinem derzeitigen Mitbewohner. Er ist ja ganz nett und lustig und unkompliziert – derzeit wird mir das Unkomplizierte dann aber doch etwas zu viel, wenn meine Maisdose verschwindet, mein Waschmittel und mein Olivenöl sich auf magische Art und Weise dezimieren und ich akustisch eins-a analysieren kann, ob er (=mein Mitbewohner) seine Angebetete gerade von vorne oder hinten anbetet.
Jetzt stellt sich die Frage: Mobbe ich ihn raus? (Wir sind beide Hauptmieter, aber ich bin länger in der Wohnung.) Oder suche ich mir eine neue Bleibe im Rhein-Main-Gebiet? Beides sehr unwahrscheinlich, was würdest Du tun?

Liebe Emilia,

Dein Mitbewohner scheint mir ja ein echter Magier zu sein. Lässt Waschmittel und Mais verschwinden. Und ab und zu ein Bunny auftauchen. Wohngemeinschaften bieten echt Zündstoff ohne Ende, vor allem wenn die Geschichte auf „open end“ ausgelegt ist und keiner freiwillig den Platz räumen will. Derart eingepfercht bläht sich eine Mücke schon mal auf die Größe eines Elefanten auf. Und der Mitbewohner wird zum Tyrannus Saurus Rex in Deinem schnuckeligen Heim, das ohne ihn und seine blöde Ische so schön sein könnte. Du warst außerdem zuerst da! Pah. Beim Lesen Deiner Frage steigt jedenfalls ein explosives Gemisch in mir auf. Klaustrophobie, Futterneid und auch ein bißchen Eifersucht.

Die geheimnisvolle Dezimierung Deiner Einkäufe ist meinem Gefühl nach nicht das eigentliche Problem. Es kann ja sogar praktisch sein, manche Konsumgüter gemeinsam zu verbrauchen, sofern es eine klare Absprache dazu gibt. Allein kriegt man ein Päckchen Butter ja kaum weg. Und auch Waschmittel muss nicht doppelt und dreifach gelagert werden. Das Zeug abwechselnd kaufen. Geklautes binnen weniger Stunden ersetzen, wenn der Hunger einem keine Wahl gelassen hat. Irgendwie sowas. Aus Deiner Frage geht nicht hervor, ob Ihr solche Dinge festgezurrt habt. Ist er ein dreister Regelbrecher? Oder ein lockerer Zeitgenosse, der nicht im Geringsten ahnt, wo das Problem sein soll? Eine spannende Frage. Aber vielleicht ein Nebenschauplatz, den ich an dieser Stelle nicht weiter verfolgen will.

Den Braten rieche ich woanders. Wenn ich Deine Frage richtig lese, wohnt Ihr zu zweit. Mann und Frau. Unter einem Dach. Existierte seine Angebetete eigentlich schon von Anfang an? Ich will dir natürlich keine heimliche Liebe zu deinem Mitbewohner unterstellen. Aber nur selten sind Männer und Frauen so ganz und gar „nur Freunde“ oder nur eine Wohngemeinschaft. Auch wenn ihr nichts miteinander habt und auch nichts miteinander haben wollt, ist der Eintritt seiner Freundin in euren bisher ungestörten Kosmos ein Novum. Ob man allein mit einem befreundeten Paar weg geht oder der Mitbewohner sich im Zimmer nebenan verausgabt: Außen vor zu sein ist meistens doof. Selbst dann, wenn man auf den Thron gar keinen Wert legt. Zweitens: Du hast dich auf ihn als Mitbewohner eingelassen. Aber wen er anschleppt, das ist nicht zu kontrollieren. Und etwas nicht kontrollieren können heißt Stress. Gelegentliche Freundesbesuche und Küchenpartys mögen noch in Ordnung gehen. Aber hat sich der Mitbewohner verknallt, kann seine Partnerin schnell zum ungewollten WG-Mitglied werden, dem man niemals zugestimmt hat. Und wer mag es schon, jemanden einfach so vorgesetzt zu bekommen.

Ich stimme Dir zu: Einer von Euch muss raus (oder SIE natürlich). „Ich war zuerst da“ mag ein gefühltes Recht sein, aber leider kein tatsächliches. Frag ihn doch einfach mal, was er will. Ob er vorhat sich festzusetzen. Oder ob er vielleicht darauf spekuliert, Eure Wohnung zusammen mit seiner Angebeteten zu übernehmen. Die akustischen Demonstrationen aus seinem Schlafzimmer mögen ein Zeichen dafür sein. Aber im Moment stochert Ihr beide im Dunkeln und lauert vielleicht darauf, wer zuerst einknickt und die Koffer packt. Eine anstrengende Vorstellung. Du weißt nicht, wie zäh er ist. Aber Du weißt, wie zäh Du bist. Und nur danach würde ich eine – baldige – Entscheidung treffen, die nichts mit „Krieg gewonnen“ oder „Krieg verloren“ zu tun hat.

Im Zweifel will ich ein ausgelatschtes Sprichwort bemühen: Der Klügere gibt nach. Eine schöne UND bezahlbare Bleibe im Rhein-Main-Gebiet zu finden, ist zugegeben eine Herausforderung. Nimm sie an. Als Abschiedsgeschenk für Deinen Mitbewohner schlage ich vor: Eine XXL-Dose Mais. Ein paar Kondome mit Noppen. Und eine Karte: Im Wesentlichen war es eine schöne Zeit mit Dir. Bye, bye.

Ein Wohlfühlzuhause, ob dort oder woanders, wünscht Dir:
Stefanie

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