Krasse Kröte

Wie können blinde Menschen mit tauben Menschen kommunizieren? (Zuzu, 24)

Wie kann ein Blinder mit einem Tauben, der zusätzlich auch stumm ist, kommunizieren? Diese Frage stelle ich mir immer noch und finde keine Antwort darauf. (Zuzu, 24)

Hallo Zuzu,

vielen Dank für deine sehr interessante Frage, mit der ich mich gerne beschäftigt habe. Bevor ich jedoch konkret darauf eingehe, kurz etwas zur Begriffsklärung: Den Fall, dass ein Mensch ohne Gehör gleichzeitig auch keine Sprachfähigkeit hat, gibt es so gut wie gar nicht. Der Begriff „taubstumm“ wurde vor allem in früheren Jahrzehnten für Menschen verwendet, die gehörlos waren und aufgrund mangelnder Förderung und Unterstützung keine Möglichkeit hatten, mit ihrer Umwelt in Kontakt zu treten (Stummheit als Folge der Gehörlosigkeit). Sie galten als „dumm“ oder „unfähig“. Heute können Kinder, die ohne Hörsinn auf die Welt kommen, mit logopädischer Hilfe in der Regel sehr wohl sprechen lernen. Entsprechend wird die Bezeichnung „taubstumm“ von vielen als diskriminierend empfunden. Wikipedia: Gehörlosigkeit.

Selbstverständlich existiert Stummheit als angeborene Behinderung (beispielsweise durch einen genetischen Defekt), meist tritt sie jedoch als Folge psychischer (z.B. Autismus) oder physiologischer Einflüsse (bspw. Amputation der Stimmbänder wegen Krankheit) auf und nur ganz selten in Kombination mit Gehörlosigkeit.

Die Kommunikation unter Gehörlosen und/oder unter sprachbehinderten Menschen ist in erster Linie durch das Erlernen der Gebärdensprache möglich. Sie gewährleistet den Austausch untereinander durch bestimmte Kombinationen aus Gesichtsmimik, lautlos gesprochenen Wörtern und Körperhaltung. Wikipedia: Gebärdensprache. Gebärdensprachen existieren mittlerweile weltweit und ähneln sich in den meisten Fällen stark – was es Gehörlosen beispielsweise auch auf Reisen ermöglicht, sich ohne größere Komplikationen alleine zurecht zu finden. Der Austausch unter blinden Menschen ist in der Regel ganz normal auf lautsprachlicher Ebene möglich – tatsächlich gelten Blinde meist als besonders sprachlich begabt und haben beispielsweise als Juristen hervorragende Aussichten auf dem Arbeitsmarkt, wie dieser FAZ-Artikel zeigt. Die schriftliche Verständigung erfolgt dabei über die Blindenschrift „Braille“ – den Punktmustern, die dir sicherlich auch schon einmal am Geldautomaten aufgefallen sind. Die Punkte stehen für bestimmte Buchstaben oder Zahlen und können mit den Fingerspitzen ertastet werden (ausprobieren kannst du das hier.)

Kompliziert wird es natürlich im von dir beschriebenen, sehr seltenen Fall – wenn also ein Gehörloser, der aus irgendeinem Grund auch sein Sprachvermögen verloren hat, auf einen blinden Menschen trifft. Eine Lösung können hier die Ansätze zur Kommunikation unter Taubblinden liefern. Diesen Menschen fehlen ebenfalls die Sinne, die du in deiner Frage beschreibst: Sie können nicht hören und sie können nicht sehen. Miteinander kommunizieren können sie aber trotzdem. Das Stichwort lautet „Lormen“. Darunter versteht man ein nach dem österreichischen Schriftsteller und Philosophen Hieronymus Lorm benanntes Tastalphabet, bei dem der „Sprechende“ die Handinnenfläche des „Lesenden“ berührt. Einzelnen Fingern und Handpartien sind dabei bestimmte Buchstaben zugeordnet. www.stiftung-taubblind-leben.de Das Erlernen des Lormen erfordert zwar einiges an Konzentration, Geübte erreichen aber durchaus ein langsames Sprechtempo. Eine weitere Alternative stellt die Berührungssprache „Tadoma“ dar, bei der Sprachsignale durch das Ertasten des Gesichts wahrgenommen werden. Wikipedia: Tadoma

Du siehst also: Möglich ist alles. Und da dich die Frage so interessiert – warum lernst du nicht selbst die Gebärdensprache oder versuchst dich am Lormen? Neue, bereichernde Kontakte werden dir sicher sein.

Viel Spaß beim Ausprobieren wünscht,
Sabrina

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