Krasse Kröte

Wie kann ich effektiver lernen und mich besser organisieren? (Lukas, 23)

Ich frage mich immer wieder, wie es meine Kommilitonen schaffen, routiniert, motiviert und konzentriert in einem „Lernrhythmus“ zu bleiben. Oft denke ich mir, dass meine soziale Situation der Grund dafür ist, dass ich mich nicht genug aufraffe und deshalb nicht einfach einen Monat am Stück durchlernen kann. Ich boxe mich zwar durch, was noch funktioniert, jedoch weiß ich genau, dass Lernen so viel einfacher sein kann. Nur weiß ich leider nicht wie. Meine Frage: Wie kann man effektiver Lernen und sich im Allgemeinen besser organisieren? (Lukas, 23)

Lieber Lukas,

ich glaube, dieses Gefühl kennt (fast) jeder: Man wälzt Sorgen von links nach rechts, grübelt über finanzielle Engpässe, Probleme mit der Familie, den letzten Streit mit dem Partner – und schwupps, ist eine halbe Stunde vergangen und man ist mit der eigentlichen Aufgabe keinen Schritt weiter gekommen. Jetzt also schnell den Absatz nochmal lesen. Aber Moment: Wurde da nicht letztens bei Facebook ein Beitrag zum Thema „Richtig Streiten“ geteilt? Schnell mal nachschauen, wäre ja gelacht, wenn ich beim nächsten Krach nicht die besseren Argumente hätte! So kann man Stunden vertrödeln. Und am Ende des Tages steht man mit dem unguten Gefühl da, vor der nächsten Klausur (oder der anstehenden Projekt-Deadline) noch mehr in noch kürzerer Zeit schaffen zu müssen. Ein Teufelskreis!

Die schlechte Nachricht: Leider kann man negative Gedanken nicht so einfach abstellen. Und alles, was uns seelisch aus dem Gleichgewicht bringt, stört eben auch unsere Konzentrationsfähigkeit. Die gute Nachricht: Man kann lernen, Gedanken zu steuern und Ängste – zumindest kurzfristig – zu verdrängen (beziehungsweise auf die Zeit nach den Klausuren zu verschieben). Sehr gut funktioniert das mit autogenem Training (Kurse gibt’s an jeder Hochschule). Ziel der verschiedenen Übungen ist es, mit Hilfe der Autosuggestion (d.h. der Verwendung formelhafter Redewendungen) schnell einen Entspannungszustand herzustellen. Und dadurch fokussierter arbeiten zu können. Bis das aber aus dem Stehgreif funktioniert, ist einiges an Übung nötig. Zeit, die du dir nehmen solltest, die man aber kurz vor der nächsten Klausur manchmal einfach nicht hat. Weitere empfehlenswerte und nachweislich funktionierende Methoden sind Achtsamkeitstraining, Yoga, progressive Muskelentspannung oder Tai Chi. Sie helfen, den abgelenkten Geist zu beruhigen, den Stresshormonpegel zu senken und in der Folge fokussierter auf das zu sein, was in DIESEM Moment gelöst und bearbeitet werden muss. Probiere einfach aus, was davon Dir am meisten zusagt.

Ein paar praktische Tipps will ich Dir noch mit auf den Weg geben, und zwar aus meiner eigenen Studienzeit. Nummer eins: Alles nochmal handschriftlich festhalten. Bücher lesen schön und gut – wirklich hängen geblieben ist bei mir nur, was ich mir stichpunktartig selber notiert habe. Das bestätigt auch die Wissenschaft: Wenn man etwas aufschreibt, beschäftigt sich der Kopf intensiver damit. Ein weiterer Pluspunkt dieser Methode: Der Stoff schrumpft relativ schnell auf ein überschaubares Maß an Seiten zusammen. Wenn man diese dann einfach häufiger durchliest und zentrale Punkte auswendig lernt, kann schon gar nicht mehr so viel schief gehen.

Nummer zwei auf der Konzentrations-Agenda: Einen Zeitplan erstellen. Klingt banal, hilft aber ungemein bei der Strukturierung der Aufgaben und verhindert Torschlusspanik. Zurückgreifen kannst du dabei auf Deine handschriftliche Zusammenfassung des Lernstoffs: Dieser wird ganz einfach seitenweise auf die verbleibenden Tage bis zur Klausur aufgeteilt (morgen lerne ich Seite 1-3, übermorgen 4-7 usw.). Dabei sollte man darauf achten, sich pro Tag nicht zu viel vorzunehmen – erstens ist man dann schneller fertig, zweitens bleibt mehr Zeit für Pausen und unvorhergesehene Ablenkungen (funktioniert natürlich nicht, wenn man bis zur Nacht vor der Prüfung rumgetrödelt hat). Und glaub mir: Es ist ein tolles Gefühl, den Schreibtisch nach ein paar Stunden in dem Bewusstsein verlassen zu können, für heute alles geschafft zu haben.

Womit wir bereits beim nächsten Stichpunkt wären: der Lernumgebung. In deiner Frage schreibst Du, dass Du es ebenso wie Deine Kommilitonen schaffen möchtest, routiniert und konzentriert zu arbeiten. Ich gehe daher davon aus, dass Du beim Lernen an Deiner Heimatuni in der Bibliothek sitzt. Wenn Dich das nervös macht – warum probierst Du nicht mal etwas Neues aus? Ich habe mich selbst manchmal in die Stadtbibliothek oder in eine fachfremde Bibliothek „ausgelagert“. Hier kennt man in der Regel niemanden und muss den Vergleich nicht scheuen. Wichtig: In die Bibliothek immer nur den Stoff mitnehmen, den man sich für den Tag vorgenommen hat und NIE einen Laptop. So ist man gezwungen, sich auf das Thema zu konzentrieren und läuft nicht Gefahr, von Facebook und Co. abgelenkt zu werden.

Den Grund des Übels (Deine soziale Situation) können diese Tipps natürlich nicht beseitigen. Vielleicht helfen sie dir aber dabei, wenigstens eine Baustelle loszuwerden und einigermaßen gut durch die Klausurenphase zu kommen. Danach kannst Du die anderen Probleme mit freiem Kopf und neuem Schwung angehen.

Eine stressfreie Studienzeit wünscht dir

Sabrina

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