Krasse Kröte

Welches Haustier eignet sich für Studenten? (Manu, 24)

Welches Haustier eignet sich für einen Studenten am Besten? (Manu, 24)

Liebe Manu,

bei dieser Frage muss ich an meinen Hamster Gustav denken, das einzige Haustier, das ich während meiner Studentenzeit besessen habe. Er war billig und ich konnte ihn in einer kleinen Box aus Pappe nach Hause tragen. Ich dachte, er würde gut zu mir passen, denn er wurde mir als nachtaktiv angepriesen. Die ersten beiden Tage kam er nicht aus seinem mit Watte gefüllten Häuschen heraus. Dann aber drehte er so richtig auf und fuhrwerkte bis in die frühen Morgenstunden herum. Er war noch wesentlich nachtaktiver als ich. Erste Anzeichen von Verhaltensstörung zeigte er, als er emsig an den Gitterstäben seines Käfigs nagte, zwei Meter neben meinem Bett in einem 1-Zimmer-Appartment, was mich von Presslufthammern träumen ließ. Sein Laufrad musste ich ihm einmal schlaftrunken wegnehmen. Nach 14 Tagen wurde er krank. Und starb (ein Risiko, das bei einem Drittel lag). Die Geschichte von der Kuhdoktorin in der Tierklinik, die am Wochenende seiner plötzlichen Erkrankung Dienst hatte, erspare ich dir. Nach der Spritze fiel er jedenfalls zur Seite und war tot, was nicht die Intention war.

Gustav war wahnsinnig süß und ich habe bittere Tränen geweint. Aber Gustav war auch eine Scheißidee, vom Namen mal ganz abgesehen. Goldhamster gehören nicht in die Hände von Studenten und haben überirdisch sowieso nichts zu suchen. Höhlensysteme mit langen Gängen und vielen Verzweigungen finden sie viel besser. Fazit: Ich konnte ihn nicht artgerecht halten. Ich hatte seinen Biorhythmus unterschätzt. Und die plötzlichen Tierarztkosten hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Goldhamster? Ungeeignet.

Vom Prinzip her trifft das so ähnlich sicher auf die meisten Haustiere zu, die wir impulsiv anschaffen. Und das Studium passt mit seinem unregelmäßigen Lebensrhythmus ganz besonders schlecht mit einem Tier zusammen. Sowieso finde ich – aber das ist meine persönliche Meinung – dass ganz generell nur Hunde und Katzen geeignete Haustiere sind, egal für wen. Meinem Gefühl nach haben sie sich mit dem Menschen einigermaßen arrangiert. Der Hund ist fröhlich, wenn er überall mit hin kann und hinterfragt das nicht. Allein zu Hause sitzt er nicht so gern. Schwierig, im Studium, es sei denn, du studierst auf einem extrem hundefreundlichen Campus. Die Verantwortung für diese sensiblen, sehr an ihren Besitzern hängenden Wesen, verhindert außerdem eine gewisse Flexibilität, die man sich – wie ich finde – in der Zeit des Studiums noch offen halten sollte. Vielleicht willst du ja doch mal ein Auslandssemester machen oder ein Praktikum in einer anderen Stadt. Wohin mit dem Hund? Und jeder organisatorische Ausweg ist im Zweifel für das Tier sehr suboptimal.

Auch Katzen sind für Studenten nur bedingt geeignet. Definitiv sind sie etwas leichter zu versorgen, auch mal vertretungsweise durch andere Menschen, aber wenn sie keinen Freigang haben (ich weiß nicht, wo und wie du wohnst, das ist natürlich sehr entscheidend) drehen sie sehr schnell am Rad und lassen ihre Unausgeglichenheit an der Tapete oder an deinen Möbeln aus.

Fazit: Weder Hund noch Katze sind geeignete Studententiere, es sei denn, du willst dich ganz bewusst in deinen Möglichkeiten einschränken lassen. Was, wie ich manchmal beobachte, in verschiedenen Lebenssituationen ein geheimes Motiv für die Anschaffung eines Haustieres ist. Tja, ich konnte ja nicht, weil…

Von Käfigtieren würde ich allgemein absehen. Zeit- und Organisationsaufwand mögen überschaubar sein, was aber nur auf dem Rücken ihres traurigen, eingesperrten Daseins funktioniert. Und die wenigsten Studenten werden Platz für einen riesigen Luxuskäfig mit großer Freilauffläche haben, was Meerschweinchen, Kaninchen und Mäuse als geeignete Tiere also ebenso ausschließt. Ratten können zwar auf der Schulter mit an die Uni getragen werden, stehen aber nicht jedem und polarisieren die Kommilitonen. Über Vögel müssen wir gar nicht reden. Ein Symbol für Freiheit hinter Gitter zu packen finde ich hochgradig deprimierend. Im Käfig schreien sie oft so laut, dass du eine Decke drüberwerfen musst, weil sonst die entnervten Nachbarn klingeln. Super. Und wenn du sie fliegen lässt, scheißen sie dir womöglich auf den Kopf, um sich im nächsten Moment kreischend im Vorhang zu verfangen. Total schräg.
Aquarien? Lassen sich nur mit einem guten Projektmanagement transportieren. Terrarien? Wehe, wenn die exotischen Insassen mal ausbrechen… und auch hier könnte man wieder einen Diskurs über artgerechte Haltung vom Zaun brechen.

Meine persönliche Meinung: Kein Tier im Studium. Du hast in der Studienzeit genug damit zu tun, dich selbst zu organisieren und solltest dir deine Chancen nicht verstellen. Den Wunsch nach einem Haustier kann ich prinzipiell aber sehr gut verstehen. Vielleicht haben die Nachbarn ja eine Katze, die du im Urlaub versorgen kannst. Oder gibt es vielleicht ein Tierheim in der Nähe, wo sich ein Hund darüber freuen würde, ab und zu Gassi geführt zu werden? Wie wäre es mit einem Wochenendausflug aufs Land oder einem coolen Bauernhofurlaub mit Kommilitonen? Mach dein Leben einfach etwas tierischer, auch ohne eigenes Haustier.

Tierliebe Grüße von
Stefanie

1 Kommentar
  • Eileen am 7. Juni 2016

    Hallo Stefanie,
    ich bin eben auf den Artikel gestoßen und muss sagen, dass deine Schlussfolgerung wohl für viele Studenten zutrifft, aber sicher nicht für alle. Wenn man sich zuvor mindestens einige Wochen, besser Monate, mit der artgerechten Haltung eines Haustieres auseinandersetzt, kann man sein Studium durchaus auch mit Tier meistern 🙂
    Ich könnte mir gar nichts anderes vorstellen, da ich mit Tieren aufgewachsen bin. So setze ich mich neben dem Studium für artgerechte Haltung von Mittel- und Goldhamstern ein und halte gemeinsam mit meinem Freund vier dieser Tiere. Zugegeben, dafür stecke ich bei anderen Dingen zurück, denn vier Gehege mit je 1,50 m Länge brauchen Platz, die Tiere jeden Abend Auslauf und man muss viel Geld in die Ausstattung stecken. Es geht also, wenn man will!
    Liebe Grüße
    Eileen

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