Krasse Kröte

Was tun gegen Angst vor Krieg? (Anja)

Wieso gibt es grade so viel Krieg auf der Welt? Überall herrschen Unruhen und Krieg. Die mächtigsten Menschen sind geisteskrank, haben Zugang zu Atomwaffen und nutzen die Naivität ungebildeter/ armer Menschen aus. Ob Erdogan in der Türkei, Putin in Russland bzw. Ukraine, Kim in Nordkorea, die IS in Syrien oder al Qaida in Saudi Arabien. Ich habe Angst! All das macht mir Angst! Die Terrorgruppen gewinnen immer mehr Anhänger, auch Deutschen wird das Gehirn gewaschen. Sie – als ehemalige Außenseiter/ Loser konvertieren zum Islam – und für die IS ist das ein gefundenes Fressen. Erst Gehirnwäsche, dann Dschihadist, Salafist, Märtyrer. Wieso tut denn da niemand was dagegen? In der Türkei werden Wahlen gefälscht, nach Atatürk fällt die Türkei unter Erdogan wieder ins Mittelalter! Wo sind wir denn hier? Wieso kann das denn niemand aufhalten? Worauf warten wir? Wieso darf ein Kim in Nordkorea Zugang zu Atomwaffen haben? Wieso darf ein Putin Machthaber sein? Wozu soll das denn alles führen?
Europa wird angegriffen, Frankreich macht sich stark – doch war das alles? 12 Menschen sind gestorben, weil 2 verblödete Islamisten kurz um sich geballert haben! Jetzt wird provoziert, beide Seiten schaukeln sich hoch und dann? Ein neuer Coup?
Die Welt ist ein einziges Trümmerfeld! Überall findet man Armut, Korruption, „Green Lines“, Waffen, Krieg… Wozu führt das? Wo endet das? In einem atomaren Krieg der unser aller Leben auslöscht?
Ich habe Angst!

Liebe Anja,

ich kann deine Sorgen nachvollziehen. Auch ich fühle mich manchmal ziemlich hilflos angesichts der aktuellen Weltlage. Kaum ein Tag vergeht, an dem keine neuen Schreckensmeldungen in den Nachrichten erscheinen. Oft möchte ich die Tagesschau einfach ignorieren, mir die Decke über den Kopf ziehen und dem Rest da draußen zurufen, dass er mich in Ruhe lassen soll. Aber das – und das weißt du sicher auch – wäre natürlich der falsche Weg. Um der Angst erfolgreich die Stirn bieten zu können, muss man zunächst einmal das Prinzip dahinter verstehen. Grundsätzlich ist dieser beklemmende Zustand nämlich etwas ganz Positives: Angst ist eine natürliche Schutzreaktion des Menschen, die die Wahrnehmung schärft und uns aktiv nach Lösungen und Informationen suchen lässt (http://de.wikipedia.org/wiki/Angst).

Deine Frage verrät, dass du momentan ebenfalls sehr viele Informationen sammelst. Damit verfolgst du unbewusst bereits das Ziel, dich aus deiner Überforderung zu befreien. Denn nichts anderes lösen die immer neuen Berichte über Gräueltaten bei uns aus – sie überfordern uns, weil wir ganz genau wissen, dass wir selber nichts tun können. So gerne wir den Hörer in die Hand nehmen und den Politikern unsere ganz persönlichen Konfliktlösungen präsentieren würden: Wir müssen die Kontrolle aus der Hand geben und uns auf andere verlassen. Das fällt gerade in unserer durchgeplanten Gesellschaft nicht leicht. Hinzu kommt, dass gerade diese verstärkte Suche nach Informationen die Sache nicht leichter macht: Je mehr Informationen wir suchen, umso mehr Meldungen nehmen wir wahr und umso sensibler reagieren wir darauf.

Was also tun? Meine Meinung ist: Wir müssen die Informationen, die wir bekommen, zu unserem Vorteil nutzen. Terroristen werden du und ich nicht aufhalten können. Dank der Nachrichten wissen wir aber, welche Werte sie ablehnen. Und können genau diese in unser Leben integrieren. Wenn wir weiterhin unsere Feste feiern, uns kleiden wie wir wollen, lieben, wen wir wollen und Fremden offen und warmherzig begegnen, zeigen wir ihnen, dass Terror und Hass hier keine Chance haben. So wie es auch die vielen tausend Menschen getan haben, die unter dem Schlagwort „Je suis Charlie“ für Meinungsfreiheit auf die Straße gegangen sind. Was deine Sorgen um einen drohenden Krieg in Europa, die Atombombe und wirre Machthaber angeht: Auch hier kann ich dir leider kein Patentrezept liefern. Vielmehr möchte ich dir raten, dich zu entspannen. (Drohende) Kriege, Revolutionen und Fanatismus sind so alt wie die Menschheit selbst und immer mussten wir versuchen, der daraus resultierenden Furcht standzuhalten bzw. mit den Konsequenzen klar zu kommen. Wahrscheinlich bist du – wie glücklicherweise die meisten in unserem Land – in einem sehr wohlbehüteten und sicheren Umfeld aufgewachsen. Und jetzt siehst du diese heile Welt auf einmal in Gefahr und weißt nicht, wie du damit umgehen sollst.

Menschen, die in Krisengebieten leben, kennen diese „Was wäre wenn“-Gedankenspielchen nicht. Sie haben nämlich gar keine Zeit, sich über drohende Gefahren Sorgen zu machen, sondern müssen reagieren und funktionieren, wenn es soweit ist. Etwas anderes wird dir – so hart es klingt – auch nicht übrig bleiben. Versuche, im Kleinen Gutes zu tun (etwa, indem du dich für Menschenrechte einsetzt, spendest oder dich vor Ort in einem gemeinnützigen Verein engagierst) und vertraue darüber hinaus auf deine Intuition, die dir zu gegebener Stunde sagen wird, wie du dich zu verhalten hast. Die Geschichte lehrt übrigens, dass selbst aus den größten Niederlagen etwas Gutes wachsen kann. Sollte es irgendwann also tatsächlich zum Schlimmsten kommen, werden wir es trotzdem irgendwie schaffen. Ich finde: Das macht Mut.

Vertrauen in die Zukunft wünscht dir,
Sabrina

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