Krasse Kröte

Was ist Zufall? (Lucia, 18)

Diesmal gibt es zwei Antworten auf die Frage

“Was ist Zufall?“ (Lucia, 18)

Antwort 1:

Liebe Lucia,

bei mir gab es im letzten Jahr ein lustiges Ereignis. Für meinen Mann und mich sollte es in die Flitterwochen nach Madeira gehen. Ein paar Wochen vor Abflug trafen wir uns mit einem befreundeten Paar und diese erzählten uns, dass sie im gleichen Zeitraum ebenfalls Urlaub gebucht hatten. Wohin? Natürlich nach Madeira – in ein Hotel, das keine fünf Minuten von unserem entfernt lag. Wir hatten ihnen weder von unseren Plänen erzählt, noch uns sonst irgendwie abgesprochen. Ein absolut lustiger Zufall – aus dem wunderschöne Tage wurden, da wir bei gemeinsamen Ausflügen und einem legendären Cocktailabend viel Spaß hatten.

Von einem Zufall spricht man also – und so weiß es auch Wikipedia – wenn für ein einzelnes Ereignis oder das Zusammentreffen mehrerer Ereignisse keine kausale Erklärung gegeben werden kann. Etwas geschieht also objektiv ohne Ursache. Klingt auf den ersten Blick logisch und wahrscheinlich kann jeder Mensch über mehr oder weniger lustige, traurige, dramatische und völlig überraschende Zufälle in seinem Leben berichten. In der Wissenschaft, insbesondere in der Philosophie und Psychologie, und in der (christlichen) Religion ist es aber nicht ganz so einfach. Tatsächlich beschäftigt deine Frage Gelehrte hier schon seit vielen hundert Jahren.

Hintergrund ist die Diskussion um den „freien Willen“. Ist der Mensch tatsächlich frei, wenn er in seinen Entscheidungen quasi permanent durch zufällig eintretende Ereignisse determiniert (also beeinflusst) wird? In eine ähnliche Richtung gehen Gedankenspiele in der Psychologie: Vielleicht hat ein Mensch mit einem vermeintlich freien Willen einfach nur einen großen Erfahrungsschatz, einen scharfen Verstand oder bestimmte moralische Grundsätze. Werte, die es ihm zwar erlauben, bewusste Entscheidungen zu treffen, die er aber ebenfalls durch äußere Einflüsse (z.B. Erziehung, Gewohnheiten, Sozialisierung) erlangt hat Die christliche Religion sieht es wiederum ganz anders: hier gibt es (vereinfacht dargestellt) keine Zufälle, da unser Schicksal im Wesentlichen von Gott vorherbestimmt ist. Der freie Wille beschränkt sich auf die Entscheidung, sich Gott zuzuwenden oder es bleiben zu lassen.

Puh. Gar nicht so einfach, oder? Ich könnte jetzt mit Immanuel Kant anfangen, der in seiner „Kritik der reinen Vernunft“ einen Ausweg aus dem Dilemma vorschlägt. Die Lektüre dieses nicht ganz unkomplizierten Büchleins überlasse ich aber gerne dir und sage dir einfach mal, wie ich das Ganze sehe. Für mich schließen sich Zufall und Schicksal nicht aus. Ich glaube, dass es für jeden von uns eine Art Masterplan gibt, der uns durchs Leben führt und das die meisten Dinge aus einem bestimmten Grund geschehen. Diese Erfahrung habe ich schon häufiger gemacht – man kann sich manchmal nicht erklären, warum einem ausgerecht DAS jetzt passieren musste und am Ende stellt sich heraus, dass es genau das Richtige war, weil es einen im Leben weitergebracht hat. Trotzdem gibt es auch Zufälle – Ereignisse, die den Plan beeinflussen, auffrischen, kurzfristig umschmeißen und die uns immer wieder vor neue Herausforderungen stellen. Also quasi das Salz in der Suppe.

Zufall kann also – je nachdem ob man ihn von wissenschaftlicher, religiöser oder persönlicher Seite betrachtet – viele verschiedene Bedeutungen haben. Ob man daran glaubt und wie viel Raum man Zufällen (oder alternativ glücklich bis weniger glücklichen Fügungen des Schicksals) einräumt, bleibt wohl letztendlich jedem selbst überlassen.

In jedem Fall ganz viele tolle, lustige und überraschende Erfahrungen wünscht dir
Sabrina

Antwort 2:

Liebe Lucia,

wenn etwas passiert, was keine erkennbare, plausible Erklärung hat und was auch niemand so direkt beabsichtigt hat, dann ist das Zufall. Das setzt den Gedanken voraus, dass andere Dinge tatsächlich kontrolliert und vollständig erklärbar geschehen, was eine weitere spannende Frage wäre (ich glaub‘s ja nicht).

Eine Verkettung scheinbarer Zufälle, die zu etwas führt, was sehr bedeutsam erscheint, nennt man dann wohl Schicksal: Keiner hat es gewollt, beabsichtigt und herbeigeführt – herausgekommen ist trotzdem eine große Sache mit weitreichender Relevanz für das Leben. Der Urknall soll ja auch sowas gewesen sein. Herausgekommen ist ein Universum, das einen so atemberaubend schönen Planeten wie die Erde hervorgebracht hat. Schwer zu glauben, dass das keine Absicht gewesen sein soll. Deswegen glauben ja auch viele, dass irgendwer oder irgendwas dahintersteckt.

Solche Dinge also – nehmen wir den Anblick eines kolossalen Canyons oder die Begegnung mit der großen Liebe – können uns derart plätten, dass die Vorstellung von Zufall schwerfällt. Da kann man schon mal demütig werden und sich eingestehen, dass man keine Ahnung hat von dieser Welt und was sie zusammenhält.

In diesem Sinne:

Liebe Grüße
Stefanie

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