Krasse Kröte

„Warum schreibt ihr im Jahre 2016 immer noch die rein männliche Form „Studenten“? Lebt die Krasse Kröte noch unter irgendeinem Stein?“ (Sebastian, 29)

„Warum schreibt ihr im Jahre 2016 immer noch die rein männliche Form „Studenten“? Lebt die Krasse Kröte noch unter irgendeinem Stein?“ (Sebastian, 29)

Lieber Sebastian,

mit Verweis auf die Antwort zur Frage „Was ist der Unterschied zwischen einem Frosch und einer Kröte?“ können wir festhalten, dass Kröten noch nie dauerhaft unter einem Stein gelebt, sondern sich höchstens temporär dort aufgehalten haben. Aber natürlich geht es dir nicht um die Lebensgewohnheiten in der Familie der Froschlurche, sondern um politische Korrektheit bei der Geschlechterfrage. Oder doch eher bei der Gender-Thematik?

Kurz gesagt möchten wir natürlich nicht nur männliche Studenten ansprechen, genau so wenig wollen wir irgendjemanden diskriminieren, der/die/das sich weder männlich noch weiblich fühlt oder so aussieht. Wir mögen Menschen und jeder darf so sein, wie er/sie/es das möchte. Aber da siehst du es auch schon. Wenn man über Lebewesen schreibt, benötigt man nun allein aus grammatikalischer Sicht einen geschlechtsanzeigenden Artikel bzw. eine Zuordnung. Und es ist wirklich anstrengend als Schreiberling wie auch für den Leser/die Leserin, dauernd alle möglichen Geschlechter-Formen der jeweilig anzupassenden Wörter zu verwenden.

Und Verrenkungen wie „Student*innen“ und was man in diesem Kontext nicht alles noch sieht, schließen ja wiederum Menschen aus, die sich weder als männlich noch als weiblich sehen und fühlen. Dann wären diese wiederum ausgeschlossen. Vielleicht sollte man „Student*innen“ und die „LGBTI-Community“ adressieren? Oder schreiben „Lieber Mensch“, gar „Liebes Wesen“? Fände ich gar nicht mal verkehrt, aber ist vielleicht etwas Spirituell für den Geschäftsalltag.

Man kann es bei der Thematik niemandem recht machen. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, von Studenten zu sprechen und zu schreiben und damit alle an einer Hochschule studierenden Menschen zu meinen.

Und apropos studierend: Von „Studierenden“ zu sprechen, ist grammatikalisch nur bedingt richtig, weil das Wort nur alle zum Zeitpunkt der Aussprache sich an einer Universität befindlichen, immatrikulierten und wirklich aktiv studierenden Menschen umfasst. Klugscheißermodus off.

Liebe Grüße
Anna

1 Kommentar
  • Anne K. am 16. Juli 2016

    Das Problem ist, dass sich um der Lesbarkeit Willen leider fast immer die Frauen „mitgemeint“ fühlen müssen. Wird es im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit einmal umgekehrt gehandhabt, wird also konsequent in der weiblichen Form geschrieben, bricht ein Sturm der Entrüstung los. Viele Männer finden es anscheinend nicht so lustig, nur mitgemeint zu werden.

    Das Argument, dass man halt schon immer in der männlichen Form geschrieben hat, zieht nicht. Nur, weil etwas historisch gewachsen ist, ist es noch lange nicht gut oder gerecht. Ein solches Argument verhindert jede Entwicklung und Veränderung.

    Abgesehen davon beeinflusst die rein männliche Schreibweise natürlich unser Bewusstsein. Man denkt natürlich nicht immer die Frauen mit, das wird oft genug in Studien bewiesen, die Ihr gerne mal nachgoogeln könnt.

    Wenn Ihr konsequent in der männlichen Form schreibt, bezieht Ihr ganz klar Position, ob Ihr das wollt, oder nicht.

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