Krasse Kröte

Um die Rundfunkgebühr drücken? (Tobi, 25)

Vor der Reform konnte ich den Rundfunkgebühren bisher immer erfolgreich aus dem Weg gehen: Die Briefe der GEZ landeten regelmäßig im Müll oder ich machte einfach falsche Angaben. Das Ganze mit dem Wissen im Hinterkopf, dass ich den netten Leuten von der GEZ einfach den Zutritt zu meiner Bude verwehren konnte.
Wie sieht das denn jetzt mit dem neuen Rundfunkbeitrag aus? Die 17,98 Euro würde ich lieber in Bier investieren – gibt es einen Weg, mich um das Zahlen zu drücken?

Lieber Tobi,

wenn Du kein Bafög bekommst, nicht arbeitslos bist und obendrein einwandfrei hören und sehen kannst, sieht’s schlecht aus. Denn dann fallen bei den neuen Rundfunkgebühren tatsächlich 17,98 Euro pro Wohnung an. Wenn Du in einer WG wohnst wird es übersichtlich, denn dann muss nur einer der Bewohner die Gebühr entrichten und kann sich den TV-Spaß mit den anderen teilen, sofern sie kein Bafög bekommen und auf ihr Recht pochen, kostenfrei aus der Nummer heraus zu kommen. Viel Spaß bei den Grundsatzdiskussionen, die das WG-Leben empfindlich stören könnten.

Zugegeben: Für einen Studenten, der allein ein Appartement bewohnt und für seinen Lebensunterhalt jobben muss, ist das eine Menge Geld. Mein Taschenrechner kommt auf 215,76 Kröten pro Jahr. 12 Bierkästen meiner Lieblingsmarke kosten nur 179,40 Euro. Wie teuer wird das erst, wenn ich Fernsehen glotzen UND dabei ein Bierchen zischen will. Das ist doch nicht fair! Und ich persönlich verstehe auch nicht, wieso Studenten ohne Bafög sich das Ganze leichter abzwacken sollten. Denn egal wie man sein Studium finanziert: Knapp bei Kasse ist man ja immer und wenn am Ende des Geldes noch viel Monat übrig ist, bleibt nur eins: Zu Hause auf der Couch hocken und Fernsehen kucken, juhu. So haben die sich das gedacht, die Füchse. Leider habe ich keine Antwort darauf, wie Du Dich um die Rundfunkgebühr drücken kannst. Und selbst wenn ich es wüsste, hätte ich viel zu viel Schiss, dass die KrasseKröte zum krassen Rechtsfall wird.

Aber: Ob man die Neustrukturierung der Rundfunkgebühren bis in jede Sonderregelung hinein fair findet oder nicht: Es gibt auch eine andere Seite. An Ostermontag war mir total langweilig und ich habe ein paar Artikel zum Fährunglück in Südkorea gelesen. Über ein paar Klicks bin ich dann auf das Thema Riesenwellen gestoßen, das mich sehr fasziniert. Gibt es sie wirklich, die 30 Meter hohen Brecher, die plötzlich aus dem Nichts auftauchen und imstande sind, selbst modernste Hightech-Frachter mit einem Schlag zu versenken? Ich forschte gespannt nach und stieß in einer Mediathek auf eine ZDF-Reportage, die dieser Frage nachging. Verfechter der linearen Wellentheorie streiten die Existenz so genannter Freak Waves vehement ab. Trotzdem verschluckt der Ozean etwa ein Schiff pro Woche, besonders häufig vor Südafrika und über der Tiefsee. Haben sich die Forscher geirrt? Ist doch was dran am Seemannsgarn? Zum Schluss schien ein Quantenphysiker Recht zu behalten: Es kann sie doch geben, die Riesenwellen. Und ich habe zum ersten Mal was von der Schrödinger-Gleichung gehört. Bist du schon eingeschlafen und fragst Dich, was Freak Waves mit der Rundfunkgebühr zu tun haben?

Sehr viel. Für die 45-minütige Reportage haben die ZDF-Journalisten Wissenschaftler auf der ganzen Welt interviewt. In leicht verständlichen Animationen habe sogar ich als Germanistin ein bißchen Physik kapiert. Und die spektakulären Bilder von Stürmen, Brechern und Schiffswracks haben mich schaudern lassen, wie es kein kostenloser Online-Artikel tun könnte. Guter Journalismus muss einen Haufen Geld kosten. Und wenn er obendrein noch unabhängig sein soll – und das ist die Grundidee hinter der Rundfunkgebühr – müssen viele zur Kasse gebeten werden. Bei allem Verständnis für deinen studentischen Geldbeutel, dem 17,98 Euro pro Monat definitiv weh tun – aber die um sich greifende Haltung, dass gute Inhalte nichts kosten dürfen, irgendwelcher Schwachsinn aber schon, finde ich manchmal auch schade.

Ich jedenfalls werde von einer Kreuzfahrt absehen. Vielleicht hat das ZDF mein Leben verlängert.

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