Krasse Kröte

Transgender: In welche Umkleidekabine? (Kim, 24)

Wenn eine Transgender-Person (z.B. hat noch einen Penis, aber schon Brüste) ins Fitnessstudio geht, in welche Umkleide muss die Person gehen? (Kim, 24)

Hallo Kim,

über deine Frage habe ich mich sehr gefreut, da ich mir über diesen Sachverhalt ebenfalls schon Gedanken gemacht habe. In der Regel wird man ja schon schief angeschaut, wenn man als Frau auf dem Festival / Weinfest / Weihnachtsmarkt gaaanz dringend muss und mal eben schnell auf die Männertoilette hüpft, weil dort die Schlange nicht so lang ist. Umgekehrt ist es wahrscheinlich genauso, wobei ich mich da jetzt nicht so genau auskenne. Wie muss es nun erst Menschen gehen, die im falschen Körper stecken und für die solche Situationen zum Alltag gehören? Die eben nicht mal schnell einfach so die Seiten wechseln können, sondern die verzweifelt versuchen, ihre wahre Identität zu verstecken, um endlich dazu zu gehören?

Tatsächlich ist die Lage ernst: Offizielle Statistiken gehen in Deutschland von durchschnittlich 7.000 transsexuellen Menschen aus; laut dgti (Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.) ist die Dunkelziffer jedoch wahrscheinlich mehr als zehnmal so hoch. Viele der Betroffenen versuchen jahrzehntelang, ihren vermeintlichen „Makel“ zu verstecken. Ein Großteil erkrankt an Depressionen, einige versuchen, ihr Leben zu beenden. Einem verantwortungsvollen Menschen , der sich um die Gefühle und Bedürfnisse seiner Mitbürger sorgt – und ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass du so einer bist, sonst hättest du diese Frage nicht gestellt – wird schnell klar, dass hier etwas nicht ganz rund läuft. Warum können wir nicht jeden einfach so akzeptieren, wie er (oder sie) sein möchte? Weil es in unserer westlichen Gesellschaft – so tolerant und aufgeklärt sie in vielen Dingen mittlerweile auch sein mag – eben doch noch viele doofe, veraltete Vorschriften gibt, die wiederum entsprechende Vorurteile oder ganz einfach Berührungsängste mit sich ziehen. Und genau dazu zählen (manchmal) eben auch nach Geschlechtern getrennte Toiletten und Umkleidekabinen.

Wieder einmal einen kleinen Schritt voraus sind uns da unsere sympathischen Miteuropäer aus Schweden (Spiegel Artikel). Junge? Mädchen? Egal! An einem Stockholmer Gymnasium wurde bereits 2009 das geschlechtsneutrale Pronomen „hen“ eingeführt (und trat an damit an die Stelle von „hon“ = sie und „han“ = er); im letzten Jahr folgten dann die geschlechtsneutralen Umkleidekabinen. Andere Schulen sollen dem Beispiel in Kürze folgen. Und in Deutschland? Ganz so weit sind wir leider noch nicht. Dennoch hat sich die Akzeptanz der Transsexualität als „Geschlechtsidentitätsstörung“ – wie sie im medizinischen Fachjargon genannt wird – auch hierzulande in den letzten Jahren verbessert. Einen Meilenstein in der Entwicklung stellte dabei die Einführung des Ergänzungsausweises dar: Aus diesem geht hervor, dass eine Person transsexuell ist und sich in der Phase der Geschlechtsumwandlung befindet. Sollte also irgendwo Unklarheit herrschen – etwa am Flughafen, bei der Verkehrskontrolle oder eben auch vor der Umkleide im Fitnessstudio – kann der Ausweis vorgezeigt werden und im besten Falle bestehende Zweifel, ob es sich um Herrn oder doch eher schon Frau xyz handelt, ausräumen.

Natürlich ist das jetzt alles sehr theoretisch. Auch bleibt die Frage offen, wie viele der Betroffenen bereits von dieser Möglichkeit wissen und / oder tatsächlich einen Ergänzungsausweis beantragt haben. Fakt ist, dass transsexuelle Menschen, die sich für eine Geschlechtsanpassung entschieden haben, ganz genau wissen, ob sie männlich oder weiblich sein wollen und dies auch im Alltag so ausleben. Die Frage, welche Umkleidekabine benutzt werden kann, wird sich daher zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr stellen. Vielmehr kommt es dann darauf an, selbstbewusst mit dem neuen Körpergefühl umzugehen und gleichzeitig Verständnis für die Unsicherheit der Mitmenschen zu haben. Dies sieht auch Patricia Metzer, 2. Vorsitzende der dgti, ähnlich: „Wenn dieser Mensch sich weiblich fühlt, kann er die Umkleide- und Toiletten für Frauen nutzen, natürlich dezent und eben nicht provokant. Es hat viel mit Selbstbewußtsein und Einfühlungsvermögen zu tun.“

Die beste Möglichkeit für alle Beteiligten ist wahrscheinlich, ganz offen mit der Situation umzugehen. Wer sich neu im Fitnesscenter anmeldet, kann die Lage schildern und so von vorne herein für klare Verhältnisse sorgen. Im Schwimmbad gibt es mittlerweile sowieso meistens Einzelkabinen. Und wenn jemand partout kein Verständnis hat? Dann möchte ich da auch gar nicht mehr hin. Mein Anruf beim lokalen Sportstudio hat übrigens folgende Antwort ergeben: „Ob groß klein, klein, dick, dünn, schwul, lesbisch oder transsexuell. Bei uns wird niemand abgewiesen“. Puh.

Liebe Grüße,
Sabrina

1 Kommentar
  • Laura am 17. Januar 2015

    Ich trainier bei FitX. Bei uns ist auch eine, die früher glaub ich mal ein Mann war. Sie ist so 1,90 groß. Ist aber immer nett, lächelt und grüßt freundlich. Ist aber glaub ich operiert. Hab sie jedoch noch nie ganz nackt gesehen. Wüsste aber nicht, wo jetzt das Problem wäre.

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