Krasse Kröte

Tipps für Binge-Eating? (Sara, 25)

Welche Quick-Fixes gibt es für Binge-Eating? Welche Portionsgrößen sind normal? Wovon sollte ich satt sein? Wie bekomme ich genügend Eiweiß, ohne so immens viel Fleisch zu essen (ich bin zwar kein Vegetarier, aber ich möchte mich ausgewogen ernähren). Wie plane ich effizient mein Essen, damit ich dazwischen arbeiten kann und nicht nur ans Essen denken muss?
Was sollte ich essen, um wirklich alle Nährstoffe in ausreichender Menge zu mir zu nehmen? (Sara, 25)

Liebe Sara,

vielen Dank für Deine Frage aus dem Ressort des gesellschaftlichen Dauerbrenners „Essen“. Dieses Thema treibt wirklich viele Menschen um – und ein völlig entspanntes Verhältnis zur Kalorienzufuhr haben meinem Gefühl nach wenige. Anders als im Büro der Deutschen Bildung, das einer fröhlichen Muffin-Vernichtungs-Maschine gleich kommt.

Vorweg: Binge-Eating ist eine Essstörung. Hier wird die Kompetenz der Krassen Kröte ganz klar gesprengt. Magersucht, Bulimie oder Binge-Eating gehören in die Hände von Fachleuten, die dafür erfolgreiche Behandlungsmethoden entwickelt haben. Daher: Keine „Quick-Fixes“ zu Binge-Eating. Ein Info-Portal mit Telefonberatung finden Betroffene hier: www.bzga-essstoerungen.de

Doch auch abseits von manifesten Essstörungen ist es in unserer Gesellschaft ein kollektives Phänomen, ein bißchen gaga mit dem Essen zu sein. Auch wer seine Mahlzeit nicht wieder auskotzt kennt das Gefühl des schlechten Gewissens oder den ständigen Affentanz um die Frage, was „gesund“ oder „ungesund“ ist. Auch aus Deiner Frage spricht der beinahe wissenschaftliche Anspruch, mit dem viele Menschen ihre Nahrungszufuhr planen und optimieren wollen, als ginge es um die Ölung einer Maschine. Dabei ist der Körper intelligent und signalisiert bei einem gesunden (!) Menschen ganz genau, was er braucht und was ihm nicht gut tut. Diätratgeber und Experten versuchen allerdings beharrlich, uns dieses Vertrauen auszureden. Ich falle darauf auch wiederholt herein, um mich danach jedes Mal zu fragen: Was sollte der Quatsch jetzt?

Wir essen dann das, was empfohlen wird. Auch wenn wir vom Rohkost-Salat die halbe Nacht furzend wach liegen. Oder stürzen uns total geil auf alles, was von Experten als „verboten“ deklariert wurde. Dann gibt’s den Eimer mit Eiscreme als Henkersmahlzeit vor einer Diät, statt ab und zu ein gepflegtes und völlig unproblematisches Bällchen Eis mit Genuss zu schlecken.

Iss, was Dir bekommt (!) und was Dir schmeckt, das wonach Dein Körper ehrlich verlangt, ohne dass sich der Kopf mit Verboten und Geboten reinmogelt. Teste Dich dabei durch das ganze wunderbare Angebot an Lebensmitteln, auf das wir dankenswerterweise zugreifen können, egal ob Sellerie oder Sachertorte. Es gibt keine falschen oder bösen Lebensmittel, was man deutlich daran sieht, dass auch schlanke und kerngesunde Menschen ab und zu mit einem Eisbecher zu beobachten sind. Iss, wenn Du deutlichen Hunger verspürst und so lang, bis Du angenehm gesättigt bist und Dich wohl fühlst, weder hungrig noch überfressen. Hör auf, in „Sünden“ zu denken oder in Kategorien wie gesund oder ungesund. Vergiss Diäten und Nährwerttabellen. Mach Hunger, Sättigung und ein wohliges Körpergefühl zum Gradmesser dafür, was Du wann isst. Sei fantasievoll bei der Auswahl und Zubereitung toller Lebensmittel und teste selbst aus, wie Dein Körper auf was reagiert. Denn das ist bei jedem anders. Was der eine grenzenlos futtern kann, lässt den anderen blitzschnell auseinandergehen oder macht Bauchweh. Ganz automatisch wirst Du Dich dann optimal mit Nährstoffen versorgen, ohne dass dieses Projekt einer Master-Thesis ähnelt. Finde Deine Sara-Ernährung und lass Dich professionell unterstützen, wenn Dir das Gefühl dafür zu stark abhanden gekommen ist, womit Du nicht allein bist.

Freude am Essen wünscht Dir:
Stefanie

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