Krasse Kröte

Studium mit Kind – welche Erfahrungen habt ihr? (Olesia, 25)

Studium mit Kind – welche Erfahrungen habt ihr? (Olesia, 25)

Liebe Olesia,

vielen Dank für deine Frage, die ich in unserer heutigen Zeit sehr relevant finde. Seit Jahren sinken die Geburtenraten in Deutschland und gerade jungen Akademikerinnen fällt es schwer, den richtigen Zeitpunkt für die Familiengründung zu finden. Ist ja auch kein Wunder: Da quält man sich jahrelang durchs Studium, nimmt finanzielle Engpässe in Kauf und wenn man dann nach zähen Endlos-Praktika und befristeten Arbeitsverträgen endlich irgendwo angekommen ist, hört man auch schon die blöde biologische Uhr ticken. Kaum in Lohn und Brot müssen wir Mädels uns also bereits Gedanken darüber machen, wann wir wieder aus dem Beruf aussteigen – während die Herren der Schöpfung ab 30 erst so richtig durchstarten. Echt gemein. Einige junge Frauen entscheiden sich daher, das Thema Nachwuchs bereits vor Jobantritt hinter sich zu bringen. Klingt verlockend, oder? Während des Studiums ist man zeitlich flexibel, hat noch keinen sonderlich hohen Lebensstandard, den man ggf. einschränken muss, und wenn das Kind aus dem Gröbsten raus ist, kann Mutti sich um ihren Job kümmern. Auf der anderen Seite kann der Drahtseilakt zwischen Spielplatz, erstem Brei, schlaflosen Nächten und Klausuren, Seminararbeiten und Referaten natürlich auch sehr anstrengend sein. Insgesamt also eine schwierige Entscheidung, vor der viele junge Frauen stehen. Und da wir im Team der krassen Kröte zwar mittlerweile eine Mama haben, aber keine, die ihr Baby im Studium bekommen hat, habe ich mich – extra für dich – an anderer Stelle schlau gemacht. Die gute Freundin einer Kollegin hat mittlerweile zwei Töchter, von denen sie die erste sechs Semester vor Abschluss ihres Germanistik-Studiums auf die Welt gebracht hat. Also quasi eine Expertin auf dem Gebiet. Hier ihre Antworten auf meine Fragen:

Hast du die Entscheidung, dein Kind im Studium zu bekommen, bewusst getroffen?
Ja. Der Grund: Früh Mutter werden. Und: Wissen wie es ist, das Schwangersein. Ich weiß, sehr reif 😉

Was waren die größten Bedenken oder Sorgen? Waren sie begründet?
Wenn damit die Sorgen und Bedenken das Studium betreffend gemeint sind, gab es keine. Weder zum Zeitpunkt der Schwangerschaft noch danach. Das Muttersein selbst hat mir zunächst riesige Angst gemacht. Natürlich unbegründet, wie sich schnell herausgestellt hat. Man muss sich natürlich drauf einlassen und zulassen, dass es eine Weile dauert, bis man sich dem neuen Alltag angepasst hat.

Wie hast du die Schwangerschaft im Studium erlebt?
Es war eine durchweg schöne Zeit. Meine Uni-Mädels haben mich super unterstützt. Auch die Profs waren durchweg positiv eingestellt.

Wie lange hast du nach der Geburt pausiert?
Meine erste Tochter kam an Weihnachten 2004 auf die Welt. Zehn Wochen später ging ich wieder für 10-15 Stunden pro Woche arbeiten und im April (zum Sommersemester 2005) saß ich wieder an der Uni. Ich habe nur das Wintersemester 04/05 pausiert.

Wie hast du deinen Studienalltag mit Kind organisiert?
Das ging nur, weil mein Mann damals auch noch studiert hat. Wir konnten beide relativ flexibel unsere Seminare und Vorlesungen besuchen.

Wo liegen die größten Schwierigkeiten?
In der Motivation. Mit Kind geht es rasant von 0 auf 100 oder von 100 auf 0, je nach Standpunkt. Kaum Schlaf in den ersten Wochen und Monaten. Wobei meine Tochter da ein echtes Bilderbuchbaby war. Da sie mit sechs Monaten durchschlief, konnte ich in den Nächten lernen und Seminararbeiten schreiben. Was wiederum meinen Schlafrhythmus dermaßen auseinandergenommen hat.

Wo liegen die größten Vorteile?
Für mich war einer der größten Vorteile der enorme Energieschub, trotz Schlafmangel und einer riesigen Verantwortung. Der sprichwörtliche „Sinn“, den einem Kinder geben, kam mir doch sehr zugute. Nie wieder hatte ich einen größeren Leistungsschub wie in den drei Jahre mit Kind und Studium. Und die freie Zeiteinteilung. Dass mein Mann auch noch studiert hat, war ein enormer Vorteil. So konnten wir uns abwechseln, wenn einer zur Uni musste, wobei meine Tochter nicht selten mit an der Uni war. Alle Profs kannten sie und eines ihrer ersten Wörter war tatsächlich „UNI“. Ein großer, großer Vorteil ist auch, dass man sein soziales Gerüst nicht verliert!

Konntest du dein Studium wie geplant fortsetzten?
Durchaus. Hier kommt wieder der „Sinn des Lebens“ ins Spiel. Bevor ich Mutter wurde, hat mir der nötige Ehrgeiz gefehlt. Danach hatte ich das Ziel, mein Studium abzuschließen, nicht zuletzt, um meiner Tochter ein Vorbild sein zu können. Und ja, man musste sich organisieren und seine Zeit einteilen. Keine Ahnung, wie oft ich nachts mit meinen Freundinnen in Bibliotheken gesessen habe. Nicht zu vergessen die Wochenenden und die Nächte zu Hause am Schreibtisch. Neben Kind, Arbeit und Studium war es schon nicht leicht, anderen Dingen nachzugehen. Aber der Wille, einen Uniabschluss zu haben, war stärker. Zum Glück.

Wenn du die Zeit zurückdrehen könntest…?
Auf jeden Fall würde ich es genauso wieder machen. Keine Sekunde habe ich es bereut, mit 25 und mitten im Studium Mutter geworden zu sein. Heute, 10 Jahre später, kann ich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, ob ich mein Studium anders nicht vielleicht doch abgebrochen hätte. Die Mädchen sind aus dem Gröbsten raus. Ich habe mich an mein Leben als Mutter gewöhnt (das dauert wirklich einige Zeit) und ich kann mich nun voll auf das Leben einlassen. Denn dass es ein Einschnitt ist, steht außer Frage. Man verzichtet auf einiges und ist für eine Weile mit sich und dem Würmchen „alleine“. Ich hatte aber das Glück, meinen Kontakt zu Freunden nie zu verlieren, da ich weiterhin nicht nur Mutter, sondern auch Studentin war und meine Freunde wieder (fast) täglich um mich hatte. Auch die Interessen drehten sich nicht nur ums Kind. Was wahrscheinlich auch ein Grund war, warum ich, trotz durchwachter Nächte, nicht durchgedreht bin. Es gab auch ein Leben außerhalb von Windeln und Brei. Noch heute sind wir Uni-Mädels befreundet und dafür bin ich unglaublich dankbar. Haben wir uns doch zusammen durch unseren Abschluss und das weitere Leben begleitet, mit oder ohne Kind.
Sehr gerne denke ich an diese drei Jahre zurück!

Liebe Olesia – ich hoffe, dass wir dir mit diesem kleinen Einblick weiterhelfen konnten. Du siehst: Es gibt immer einen Weg.
Ich wünsche dir für deinen ganz viel Glück und Erfolg.
Sabrina

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