Krasse Kröte

Studienfinanzierung: Wo versteckt sich der Goldesel? (Sara, 18)

Ich möchte im Wintersemester anfangen mit meinem Studium und mir stellt sich unvermeidlich die Frage: Wie werde ich wohl mit dem Geld hinkommen…Gibt es noch Tipps zum Sparen oder Geldquellen die ich noch nicht bedacht habe..?
Im Moment lebe ich in einer kleinen WG mit meiner Mitbewohnerin, mache ein FSJ und bekomme zusätzlich Wohngeld und Kindergeld, aber bis Ende des Jahres wird sich noch einiges verändern…
Ich will mit meinem Freund zusammen ziehen und wir wollen zusammen studieren. Dann würde mir ja immer noch mein Kindergeld zustehen, eventuell bekomme ich ein bisschen BAföG und für Stipendien kann man sich ja erst bewerben wenn man schon studiert. Nebenbei Jobben wird dann wohl ein Muss sein, was ich eigentlich in Maßen ganz gut finde, aber werde ich dann noch genug Zeit zum Lernen und fürs Studentenleben haben? Welche Erfahrungen habt Ihr so gemacht? Wo kann man sparen und wo ist eigentlich dieser Goldesel versteckt, der einem das Leben etwas leichter machen könnte? (Sara, 18)

Liebe Sara,

wo sich der Goldesel versteckt, das wüsste ich auch nur zu gerne. Und ich kann dich insofern beruhigen, dass sich die meisten Menschen in beinahe jeder Lebenssituation dieses Tier wünschen. Im Studium sind die Geldsorgen aber oft besonders groß. Das Studieren selbst bringt erst einmal nichts ein und kostet neben dem Semesterbeitrag und ggf. Studiengebühren auch noch viel Zeit: Keine entspannte Ausgangslage für das finanzielle Budget. Und Du hast Recht: Wer mit vollem Engagement studieren möchte, der kann nur eingeschränkt nebenher jobben.

Erfahrungen? Ich habe vor einigen Jahren noch auf Magister studiert und nebenher phasenweise bis zu 20 Stunden in der Woche gearbeitet. Das war manchmal stressig und hat mein Studium auch etwas verlängert, was im Magisterstudium aber per se nichts Ungewöhnliches war. Die Uni-Veranstaltungen konnte ich mir total flexibel einteilen – bei Euch Bachelor- und Masterstudenten ist das nicht mehr ganz so entspannt und das macht andere Finanzierungsquellen interessant und auch notwendig. Wichtig ist außerdem immer die Frage: Wie belastbar bist Du? Manchen Studenten fällt es leichter als anderen, nebenbei viel zu arbeiten. Und andere entscheiden sich ganz bewusst dafür, sich mehr auf ihr Studium zu konzentrieren, schneller fertig zu werden und bessere Noten zu erzielen. Wer auf jeden Fall in einer Branche oder in einem bestimmten Unternehmen arbeiten möchte, wo es stark auf die Abschlussnote ankommt, wird sein Studium anders angehen als jemand, der für seinen späteren Berufsweg viel offener ist. Auch, wie viel Spaß und Freizeit Du brauchst, um zufrieden zu sein, kannst Du nur persönlich beantworten. Und all das kann sich auch im Laufe des Studiums, wenn Du Dich und Deine Ziele besser kennen lernst, auch noch einmal verändern, was sich auch auf die Studienfinanzierung auswirkt und wie Du sie zusammenstellst.

Kommen wir also direkt zu Deiner Frage, welche Geldquellen Du schröpfen kannst:
Geldquellen, die Du gar nicht zurückzahlen musst:
Bei sehr vielen Studenten können die Eltern einen Teil der Studien- und Lebenshaltungskosten übernehmen. In welcher Höhe, das ist enorm unterschiedlich (eine ungerechte Realität) – und auch im Sinne der Eltern und ihrer eigenen Lebensvorstellungen muss hier natürlich ein Kompromiss gefunden werden. Sprich einfach mit ihnen und vielleicht auch anderen Verwandten, die Dich und Deine Ausbildung vielleicht gerne und ohne große Probleme unterstützen können. Auf das Kindergeld hast Du in Deiner Erstausbildung auf jeden Fall bis zum 25. Lebensjahr Anspruch. Das ist ja schon mal was.

Geld, das dich nichts weiter kostet, kannst Du auch über ein Stipendium bekommen. Nicht gleich vorweg schon verzagen: Stiftungen haben für die Vergabe ihrer Stipendien ganz unterschiedliche Voraussetzungen, darunter nicht nur Top-Noten, falls Du die nicht aufweisen kannst. Außerdem gibt es viel mehr Geldgeber als die meisten wissen. Zwei gute Webseiten mit Suchdatenbanken findest Du unter www.stipendienlotse.de und www.mystipendium.de Dein freiwilliges soziales Jahr klingt schon mal nicht schlecht, das dürfte vielen Stiftungen an Deinem Lebenslauf gefallen.

Geldquellen, die Dich teilweise etwas kosten:
Du sagst, Du bekommst eventuell ein bisschen Bafög. Das ist spitze, denn es wird zur Hälfte geschenkt und zur anderen Hälfte als Darlehen gewährt, für dessen Rückzahlung Dir später relativ viel Zeit gegeben wird. Hier findet Du die wichtigsten Infos dazu: www.xn--bafg-7qa.de

Geldquellen, deren Rückzahlung später von Deiner persönlichen Lage abhängt:
So eine Studienförderung bieten wir von der Deutschen Bildung an. Du bekommst eine Studienfinanzierung in einer individuell vereinbarten Höhe und dazu ein Förderprogramm, das Dir mit Trainings und vielem mehr beim Studieren und beim Berufseinstieg hilft. Das Geld zahlst Du für eine festgelegte Dauer prozentual von dem Einkommen zurück, das Du später tatsächlich erzielst. Bei einem normalen bis guten Einkommen ist das mehr als Du bekommen hast. Dafür bist Du für zahlreiche Lebenssituationen abgesichert, zum Beispiel bei Familiengründung, Arbeitslosigkeit oder Berufsunfähigkeit. Und wenn Du zwischendurch weniger verdienst, verringert sich – weil es ja prozentual vom Einkommen berechnet ist – auch Deine monatliche Rückzahlung, sprich: Du kannst Dir die Rückzahlung grundsätzlich leisten. Hier gibt es mehr Infos zu uns. www.deutsche-bildung.de

Geldquellen, die Dich etwas kosten:
In den USA ist es schon Normalität und auch in Deutschland ein wachsender Trend: Studienkredite. So einen bekommst Du bei der KFW und bei verschiedenen privaten Banken. Nachteil: Dieses Geld kostet Geld. Und das auf jeden Fall. Unabhängig von Deiner späteren Lebenssituation zahlst Du den Kredit in festen Raten zurück und durch die Verzinsung kommt noch einiges oben drauf. Das muss kein Problem sein, wenn später alles glatt läuft und Du rasch einen Job findest, bei dem Du gut verdienst. Schlecht stehen die Chancen mit einem Studium dafür jedenfalls nicht. Nur 100%ig wissen kannst du es nicht. Das heißt: Ein Kredit ist immer mit einem kleinen Risiko verbunden und einige Studenten sind damit ganz schön auf die Nase gefallen. Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hat Studienkredite getestet. Hier findest Du die Broschüre dazu.

Sicher wird es auch bei Dir – wie bei den meisten Studenten – auf einen Mix aus verschiedenen Geldquellen hinauslaufen.

Zweitens ist es wichtig, Deine Ansprüche an das studentische Leben kritisch zu hinterfragen. Du schreibst, dass Du jetzt in einer WG lebst. Das ist eine günstige Art zu wohnen, die obendrein auch Spaß machen kann. Auch mit Deinem Freund wird es vom Prinzip her ja eine Wohngemeinschaft sein. Überlegt Euch, wie groß oder gut ausgestattet die Wohnung wirklich sein muss, oder ob es für den Anfang nicht auch kleiner und günstiger geht oder ob die Bleibe wirklich megazentral liegen muss. Geteilt durch zwei sollte das finanziell dann gut machbar sein. Aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen, dass weniger Platz manchmal gar nicht so schlimm ist. Ich denke jedenfalls gerne an meine winzige Studentenwohnung zurück, in der trotzdem viel Glück und Leben stattgefunden hat. Und auch wenn das eine fade Binsenweisheit ist: Glück und Geld haben wirklich nicht so viel miteinander zu tun.

Ein Abend mit Freunden auf dem Balkon oder auf der Picknickdecke im Park kann manchmal viel schöner sein als ein Abend mit teuren Cocktails im Club. Ein gemeinsamer DVD-Abend tut es manchmal statt Kino. Urlaub im Zelt ist schwer abenteuerlich und romantisch. Und wenn Du später mal in einem steifen Restaurant vor einem traurigen Schluck Schaumsüppchen sitzt, wirst Du Dich vielleicht nach der Pizzaschachtel auf den Knien zurücksehnen, die es im Studium so oft gab. Auch bei Lebensmitteln kannst Du sparen, indem Du gut planst, was Du wann kochst. Dann musst Du nicht so viel weg schmeißen. Produkte wie Reis, Nudeln oder Haushalts-Utensilien kannst Du gut im Discounter kaufen, ansonsten bist Du bei regionalen und saisonalen Produkten meistens preisgünstig dabei. Für Studenten gibt es viele Kochbücher, in denen billige, aber leckere Rezeptvorschläge stehen, auch bei den einschlägigen Kochportalen kriegst du viele Tipps unter dem Motto „gut und günstig“. Die Mensa ist oft übrigens viel besser als ihr Ruf!

Weitere Tipps, um Geld zu sparen? Kurse beim Hochschulsport sind oft vielfältiger und lustiger als die im Fitness-Studio und Du lernst dabei viele Leute kennen. Auch bei Klamotten ist weniger oft mehr: Ein Spartipp ist hier, auf wenige, aber dafür qualitativ hochwertige Lieblingsstücke zu setzen. Schuhe für 80 Euro, die Du dafür aber 300 Mal trägst, sind am Ende günstiger als fünf verschiedene Billiglatschen, die nach einer Saison schon auseinanderfallen. Auch toll für Klamotten und vor allem Einrichtung sind Fundstücke auf Flohmärkten – die gibt es mittlerweile ja auch online (z.B. www.kleiderkreisel.de). Und nachhaltig ist das in unserer Wegwerfgesellschaft dann auch noch. Vorsicht auch vor vielen laufenden Kosten. Verkneif Dir alle Abos, die nicht sein müssen, prüfe, ob Du beim Handy mit einer Prepaid-Karte vielleicht günstiger weg kommst als mit einem Dauervertrag. Lass Dir auch keine unnötigen Versicherungen andrehen: Eine Haftpflichtversicherung reicht neben der obligatorischen Krankenversicherung in der Regel erstmal aus.

Eigentlich ist es ganz einfach: Wie wichtig ist Dir die volle Konzentration auf Dein Studium? Für was möchtest Du nebenher unbedingt Zeit haben? Und dann kannst du Dein Budget ermitteln (Einnahmen und Ausgaben genau analysieren) und entscheiden, wie viel Geld Du zusätzlich noch brauchst. Die Geldquellen kennst Du ja jetzt.

Ich wünsche Dir einen tollen Start in das Studium
Stefanie

1 Kommentar
  • Lisa am 1. August 2015

    Hier wohl schon zu spät, aber für andere vielleicht nützlich…

    Wenn man nicht ganz starr auf einen bestimmten Studiengang/Standort fixiert ist, lohnt es sich, nach dualen Studiengängen zu suchen. Allein schon für die zusätzliche Praxiserfahrung lohnt es sich, aber viele bringen sogar ein bisschen Geld ein.

    Ich habe meinen Bachelor als ausbildungsintegriertes Studium gemacht. Dabei wurden die Studienveranstaltungen wie Vorlesungen und Übungen als Arbeitszeit angerechnet und entsprechend bezahlt. Natürlich ist eine Ausbildungsvergütung kein Vermögen, aber für mich hats gereicht. Nach sechs Semestern hatte ich dann eine Bescheinigung der IHK über die erfolgreich beendete Ausbildung und meinen Bachelor… Und dabei sogar noch einiges an Geld angespart.
    Außerdem bekam ich das Angebot, während meines Master-Studiums in Teilzeit (13 Stunden pro Woche mit nahezu komplett flexibler Zeiteinteilung!) weiter bei meinem Ausbildungsbetrieb zu arbeiten und da auch die Master-Thesis zu schreiben – besser gehts doch eigentlich nicht mehr 😉

    Natürlich hat man bei einem dualen Studium nicht die oft beschwörte große Freiheit des Studentenlebens. In den Semesterferien wird gearbeitet, Vorlesungen sind Pflicht und Pünktlichkeit ohnehin… Aber ich habe die Freiheit gern für Stabilität und Praxiserfahrung eingetauscht. Nur die ersten paar Monate, als ich von der Pause nachm Abi in eine 40-Stunden-Woche stolperte waren wirklich hart (und die letzten Monate mit IHK-Prüfung, Klausuren und Bachelor-Thesis natürlich auch).

    Alles in allem kann ichs nur empfehlen.

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