Krasse Kröte

Rot-Grün-Schwäche: Was sieht man mit 3D-Brillen? (YAEZ-Leser)

Was sehen Menschen mit Rot-Grün Schwäche, wenn sie sich 3D-Bilder mit diesen alten Rot-Grün-Brillen ansehen? (YAEZ-Leser)

Liebe/r YAEZ-Leser/in,

vielen Dank für diese sehr interessante Frage, die ich allerdings mit meinem doch nur sporadisch vorhandenen Ophthalmologen-Wissen (das ist übrigens der Fachausdruck für Augenarzt) leider nicht spontan beantworten konnte. Ich habe mir daher professionelle Unterstützung geholt und beim Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA) nachgehört. Zwei sehr nette Experten haben sich dort des Problems angenommen. Ihre Antworten habe ich hier für dich zusammengefasst.

Eine 3D-Brille mit Rot-Grün-Filter führt zu einer Trennung des Seheindrucks von rechtem und linkem Auge. Der Strahlengang für das Auge mit Rotfilter dunkelt dabei die grünen Bildkonturen ab, der Strahlengang für das Auge mit Grünfilter dunkelt die roten Bildkonturen ab. Die roten und grünen Konturen im betrachteten 3D-Bild sind wiederum leicht versetzt. Ohne 3D-Brille sehen wir diese versetzen Konturen verschwommen. Mit 3D-Brille entspricht der Abstand zwischen den roten und grünen Umrissen allerdings ziemlich genau dem Blickwinkel, der sich aus unserem Augenabstand ergibt (Querdisparation, in der Regel zwischen 5,5 und 7,5 cm) und der für die Betrachtung eines realen dreidimensionalen Gegenstands zuständig ist. Wir nehmen dann auch ein Bild dreidimensional wahr. Farbensehen ist für den Effekt daher überhaupt nicht erforderlich. Im Gegenteil: Die Nutzung von Rot- und Grünfiltern zur Trennung des Seheindrucks bedingt auch, dass grundsätzlich keine farbigen Abbildungen mit dieser Methode in 3D betrachtet werden können – die Farbinformationen gehen verloren.
Da auch bei Menschen mit Rot-Grün-Schwäche eine solche Querdisparation bzw. eine Bildtrennung besteht, nehmen diese das 3D-Bild genauso wahr wie alle anderen „Normalsichtigen“ auch – eben ziemlich farblos.

Die modernen 3D-Brillen funktionieren heute übrigens meist über ein Polarisationssystem. Dabei wird durch die Selektion der Lichtstrahlen eine Reduktion der Lichtmenge bewirkt. Es befinden sich dazu jeweils versetzte Filter vor den Brillen der Betrachter sowie vor den entsprechenden Objektiven. Der Farbsinn selbst ist auch hier nebensächlich.

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen! Da du dich so für das Thema interessierst, solltest du vielleicht mal überlegen, ob eine Karriere als Augenarzt das Richtige für dich wäre? Nette Kollegen hättest du in jedem Fall 😉

Freudige Forschergrüße,
Sabrina

PS: Weitere krasse Fragen und Antworten gibt es unter www.krassekroete.de

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