Krasse Kröte

MBA gemacht, jetzt noch den Doktor? (Tim, 29)

Ich mache gerade meinen MBA im Ausland fertig. Danach würde ich gerne [muss] arbeiten, um das Studium abzubezahlen. Mich interessiert es aber auch zu promovieren. Ich weiß, in Deutschland ist eine Doktorarbeit gern gesehen, vor allem unter Vorstandsmitgliedern. Was sind aber die anderen Vorteile, außer natürlich sich auf einem Gebiet zu spezialisieren? Lohnt es sich finanziell? Verdient man danach deutlich mehr?
Ist es realistisch eine Familie zu gründen und gleichzeitig die Doktorarbeit zu schreiben? (Tim, 29)

Lieber Tim,

die Frage „MBA oder Promotion?“ beschäftigt viele aufstrebende Akademiker. Du setzt dem Ganzen aber noch ein Krönchen auf und überlegst sogar, ob du dir beide Titel erarbeiten sollst – Hut ab für deinen Ehrgeiz!

Grundsätzlich ist der Doktor eine tolle Sache. Der Titel macht sich nicht nur auf dem Klingelschild prima, auch finanziell lohnt sich die Sache: Laut efellows.net verdienen Absolventen mit Doktorhut durchschnittlich zwischen 50.000 und 60.000 Euro pro Jahr. Der Feld-Wald-Wiesen-Berufseinsteiger kommt da nur auf rund 38.000 Euro. Aber: Entlohnt werden in der Regel nur Fachkenntnisse. Wer über altdeutsche Lyrik promoviert und sich anschließend als Vorstandsmitglied bei einem Pharmaunternehmen bewirbt, hat eher schlechte Karten. Bezahlt wird nur das, was wirklich gebraucht wird. Bevor man sich also für eine Promotion entscheidet, sollte man genau überlegen, in welchem Fachgebiet man später einmal tätig werden möchte und den Fokus dann auf diesen Bereich legen.

Der Master of Business Administration ist da deutlich generalistischer angelegt – und wird aus diesem Grund in vielen Unternehmen mindestens genauso gerne gesehen wie die Promotion. Von gehaltstechnischer Warte aus betrachtet ist ein MBA sogar noch ein Stückchen profitabler: Einstiegsgehälter von 90.000 Euro sind – je nach Branche – für MBAler keine Seltenheit. Abziehen muss man hier natürlich zunächst die meist sehr hohen Studiengebühren. Aber wem sage ich das.

Lange Rede, kurzer Sinn: MBA und Promotion sind auf dem heutigen Arbeitsmarkt nahezu gleichwertige Abschlüsse. Für welchen Weg man sich entscheidet, hängt ganz von den persönlichen Berufswünschen ab. Die Faustregel lautet: Wer einen natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Studiengang absolviert hat und / oder eine Fachkarriere (bspw. in der Forschung & Entwicklung) anstrebt, sollte sich für den Doktor entscheiden. Für alle anderen ist der MBA die richtige Wahl.

Es ist eine tolle Leistung, dass du diesen Weg bereits so erfolgreich beschritten hast. Ich würde dir daher empfehlen, dich mit deinen Qualifikationen für den Berufseinstieg zu entscheiden und die Gedanken an eine Promotion zunächst auf Eis zu legen. Das hat auch für dich ganz praktische Gründe: Die Studiengebühren werden ja nicht weniger (bei einer Doktorarbeit eher noch mehr). Solltest du dann nach einigen Jahren merken, dass noch Luft nach oben ist oder dich doch die akademische Laufbahn reizt, kannst du das Projekt Doktorhut immer noch in Angriff nehmen. Dann kannst du aber bereits mit Berufserfahrung auftrumpfen, hast vielleicht etwas Geld zurückgelegt und kannst von einem ganz anderen Standpunkt aus entscheiden.

Was deine Frage nach der Vereinbarkeit von Promotion und Familie angeht: Möglich ist das auf jeden Fall. Fast alle Hochschulen haben mittlerweile Programme zur Kinderbetreuung oder sogar finanzielle Fördermöglichkeiten für Doktoranden mit Familie im Angebot. Trotzdem sollte man bedenken, dass sowohl die Familiengründung als auch die Promotion sehr zeitaufwändige, manchmal nervenzehrende und immer kostspielige Unterfangen sind. Wahrscheinlich wirst du die Promotion mit Kind nicht in der ursprünglich vorgesehenen Zeit schaffen. Überlege dir daher gut, ob dieser Weg für dich der richtige ist – ganz sicher kannst du einer Familie auch mit deinem jetzigen Abschluss hervorragende Perspektiven bieten.

Viel Glück und Erfolg bei der Zukunftsplanung wünscht
Sabrina

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