Krasse Kröte

Master, oder doch arbeiten, aber wie? (Karola, 21)

Meine Frage ist eigentlich recht simpel, aber sie quält mich schon lange. Ich stehe kurz vor meinem Bachelorabschluss in BWL, habe dual studiert um leicht ins Berufsleben einsteigen zu können, kassiere jetzt aber nur Absagen. Jetzt bange ich, ob ich mit meinem Abschluss einen Master machen kann. (Karola, 21)

Liebe Karola,

eine Frage, die wirklich sehr viele Studenten umtreibt. Sicherlich keine Überraschung: Ihr seid die Generation des Umbruchs! Bis vor ein paar Jahren gab es bekanntlich kaum Bachelorabsolventen in Deutschland. Kein einfaches Schicksal für Eure Generation. Andererseits habt Ihr natürlich auch viel mehr Wahlmöglichkeiten als die Generationen vor Euch – Ihr könnt arbeiten oder weiter studieren oder erst mal arbeiten und dann wieder studieren.

Wenn ich es richtig interpretiere, bist Du Dein Bachelorstudium mit dem Ziel angetreten, danach direkt ins Arbeitsleben zu starten?

Die erste ganz wichtige Frage für Dich: Ist es IMMER NOCH Dein Herzenswunsch, in ein paar Monaten in einen Job zu starten? Oder hat sich im Laufe Deines Bachelorstudiums etwas verändert, sodass Du jetzt viel lieber weiter studieren magst?

Solltest Du mittlerweile gar nicht mehr direkt arbeiten wollen, dann wäre es kein Wunder, dass Du bei der Jobsuche nur Absagen kassierst. Letztlich würdest Du ja auch keine Zusagen wollen. Und glaube mir, der Erfolg einer Bewerbung entscheidet sich sehr häufig an der ganz eigenen Motivation, wie sehr man etwas wirklich will 😉 In diesem Fall würde folgende Frage im Fokus stehen: Wie gehst du es an, einen Master-Studienplatz zu bekommen? Dass Du dual studierst hast, sollte bei der Bewerbung für einen Master keine größere Rolle spielen – außer: Du hast an einer Berufsakademie studiert, die Dir einen staatlich voll anerkannten Bachelor-Titel verleiht, der von anderen Hochschulen aber nicht anerkannt wird. Wenn das der Fall ist, musst Du auf jeden Fall ein wenig mehr Zeit und Energie in die Recherche für den zu Dir passenden Masterplatz stecken. Häufig ist es so, dass die jeweiligen Berufsakademien, die davon betroffen sind, mittlerweile auch eigene Master-Abschlüsse anbieten. Das könnte dann auch eine Möglichkeit sein. Auf dem Weg zur Organisation eines Master-Studienplatzes kann ich Dir übrigens das Buch „Master nach Plan“ von Sebastian Horndasch empfehlen: Hilfreiche Tipps für die Bewerbung und vieles mehr. Hier eine Rezension des Buchs.

Sollte es allerdings immer noch Dein Herzenswunsch sein, direkt ins Berufsleben einzusteigen, müssen wir unsere Konzentration auf Deinen Bewerbungsprozess lenken. Du schreibst, dass Du lauter Absagen erhältst. Eine Ferndiagnose ohne weitere Informationen ist da natürlich schwierig.
Absolventen dualer Studiengänge sind meistens gerne gesehen, da Ihr ja eine tolle Mischung aus Praxis und Theorie mitbringt. Viele Arbeitgeber wissen das auf jeden Fall zu schätzen!

Ich setze jetzt mal voraus, dass Deine Biographie nicht wesentlich schlechter ist als die von anderen Absolventen? Dann bleiben folgende Fragen:

Wie suchst Du Dir die Stellen aus, auf die Du Dich bewirbst? Sehr häufig erleben wir bei der Deutschen Bildung bei der Beratung von unseren geförderten Studenten, dass sie sich in einem fast blinden Aktivismus auf fast jede beliebige Stelle stürzen, die ihre Wege kreuzt. Meistens ist das nicht zielführend, sondern einfach nur frustrierend. Besser ist es, passgenau bei der Stellensuche vorzugehen – und zwar: passend zu Dir!

Eine Stelle sollte in verschiedenen Aspekten zu Dir passen:

– Passt die Stelle zu Deinen ganz persönlichen Zielen? Berufliche und private Ziele sollten sich mit der Stelle decken – wenn es Dir zum Beispiel wichtig ist, eine Stelle zu finden, bei der Du auch internationale Erfahrungen sammeln kannst. Oder vielleicht möchtest aus Du aus privaten Gründen in einer bestimmten Region bleiben? Schreibe Dir ruhig mal Deine Ziele auf – und zwar alle – und checke sie dann mit der nächsten Stelle gegen.

– Passen Deine Stärken und Schwächen zur Stelle? Auch hier beobachten wir in unserer Bewerbungsberatung, dass Absolventen sich selbst nicht gut genug kennen. Mit einer recht einfachen Übung kannst Du Dich dem Thema der Stärken und Schwächen nähern: Nimm Dir mal ein paar Stellen, die Du richtig spannend findest, und schreibe die „Soft Skills“ raus. Was wird gesucht? Vielleicht Kommunikationsfähigkeit, Teamstärke, Durchsetzungsvermögen oder ganz andere Eigenschaften? Anschließend bewertest Du Dich Punkt für Punkt, am besten auf einer Skala von 1 bis 5 (1=kann ich gar nicht gut, 5= kann ich sehr gut). Dann lass Dich auf diesen Soft Skills auch von anderen bewerten (Freunde, Familie, Kollegen aus dem letzten Praktikum), um Selbst- und Fremdbild miteinander abzugleichen. Bei der Gelegenheit kannst du auch Beispiele für Erfahrungen und Arbeitssituationen festhalten, bei denen du diese Soft Skills erworben oder verfeinert hast. Diese belegenden Beispiele gehört dann auch ins Anschreiben.

– Passen Deine fachlichen Kenntnisse zur Stelle? Ganz einfach: Bringst Du das mit, was gesucht wird, oder zumindest den überwiegenden Teil? Ich habe schon sehr häufig mit richtig guten Bewerbern zu tun gehabt, die sich auf Stellen beworben haben, die einfach nicht zu ihren Kenntnissen gepasst haben. Wenn Dein Schwerpunkt im Marketing liegt, kann es schwierig werden, eine Controllingstelle zu bekommen.

– Machst Du Deine Bewerbungsunterlagen individuell? Oder verschickst Du Massen-E-Mails, bei denen nur Name und Adresse des Empfängers geändert werden? Das ist nicht zielführend. Bewerbe Dich lieber auf weniger, aber dafür wohl ausgewählte Stellen und gehe dafür umso spezifischer darauf ein, warum du auf die Stelle passt und arbeite das nicht nur im Anschreiben, sondern auch bei der Darstellung im Lebenslauf heraus. Bei Stelle A macht es vielleicht Sinn, ein bestimmtes Praktikum mit mehr Stichpunkten zu beschreiben. Bei Stelle B passt es vielleicht, Deinen Nebenjob besonders hervorzuheben.

– Vorsicht vor formalen Fehlern wie Tippfehlern, falsch geschriebenen Ansprechpartnern oder Grammatikfehlern. Manche Personaler sind da sehr empfindlich und das auch zu Recht. Ich selbst empfinde fehlerhafte Bewerbungen schlichtweg als Zumutung und mangelnde Wertschätzung meiner Zeit. Ich möchte mich nicht durch schlampige Lebensläufe oder unverständliche Anschreiben quälen müssen. Du denkst, korrekte Bewerbungsunterlagen sind doch selbstverständlich? Leider nein, liebe Karola, aus der Realität des Recruitings kann ich ganz schauderhafte Dinge berichten. Wir hatten eine Stelle, auf die wir mehr als 120 Bewerbungen bekommen haben. Weißt Du, wie viele einigermaßen fehlerfrei waren? Noch nicht einmal 5. Das ist krass! Daher ganz wichtig: Lass Deine Bewerbungen von Dritten gegenlesen, denn man selbst entdeckt die eigenen Fehler oft nicht.

Vielleicht interessant: Die Deutsche Bildung bietet kostenfreie Schnuppertrainings zum richtigen
Bewerben an. Hier sind die aktuellen Termine.

Eine gute Entscheidung wünsche ich Dir!
Anja

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