Krasse Kröte

Magenknurren während Ramadan, was tun? (Nicole, 28)

Wenn man zurzeit aufgrund des Ramadans tagsüber nix isst, dann knurrt doch der Magen. Was kann man dagegen machen? (Nicole, 28)

Liebe Nicole,

das ist eine sehr spannende Frage, deren Antwort mich spontan auch interessiert hat! Ich habe dazu meine Kollegin Saliha befragt, die selbst Muslima ist und gerade fastet.
Sie sagt, dass man Geduld haben muss, denn irgendwann geht die Sonne ja auch wieder unter und dann darf man wieder essen und trinken. Wenn der Magen sich von reiner Willensstärke nicht besänftigen lassen will, dann soll man sich ablenken – und da findet jeder seinen eigenen Weg. Der eine konzentriert sich auf seine Arbeit, der nächste geht spazieren und jonglieren, wieder andere treffen sich mit Freunden und machen Ausflüge… oder man bastelt oder malt oder tanzt… Und natürlich, erzählt mir Saliha, sollte man sich von der Küche fernhalten. Vielleicht schaut man sich aber auch erst recht tolle Rezepte an und überlegt sich, was man abends Tolles in der Küche zaubern wird. Wenn der Bauch doll knurrt und vielleicht auch ein bisschen weh tut, hilft es, ihn leicht zu massieren und zu streicheln. Und: „Wenn er knurrt, dann knurrt er halt!“ Nach ein paar Tagen stellt sich der Körper auch darauf ein und dann wird auch das Magenknurren weniger.

Wichtig ist dabei auch, dass man sich auf den Ramadan gut vorbereitet. Viele Muslime stellen sich mental schon auf den Monat ein und auch im Vorfeld spielt die richtige Ernährung eine Rolle. Am Vorabend des ersten Ramadan-Tages haut man nicht „noch mal richtig rein“ und gönnt sich Burger mit Pommes oder Wurstbrote, sondern isst etwas Ausgewogenes und Gesundes, das einem richtig gut schmeckt. Das geschieht auch während des Ramadans, wenn Nahrung nachts wieder erlaubt ist. Man isst auch nicht viel, sondern in Maßen. Noch wichtiger als die gesunde Ernährung ist aber der soziale Aspekt dabei – man trifft sich zum Essen zuhause oder in der Moschee mit Familie und Freunden und genießt das gemütliche Beisammensein. Da schmeckt es gleich noch mal so gut.

Saliha hat mit 8 Jahren zum ersten Mal gefastet. Sie erinnert sich, dass sie dann in den Kühlschrank geschaut hat, die vielen leckeren Dinge gesehen hat, die es abends nach Sonnenuntergang geben würde, und hat sich dann darauf gefreut. Einmal wollte sie aber auch so gerne essen und war so hungrig und ungeduldig, dass sie sich vor Verzweiflung auf dem Boden gewälzt hat. Das Warten hat sich gelohnt – abends hat ihre Mama Frikadellen mit Pommes gemacht, ein Gericht, das alle Kinder glücklich macht, egal, ob sie nun in muslimischen, jüdischen oder atheistischen Familien aufwachsen. Ihre Diplomarbeit ist dann später auch in die Ramadan-Zeit gefallen. Sie war damals allein in der WG und konnte sich morgens direkt super konzentrieren und arbeiten. Mittags hat sie ein Schläfchen gemacht und dann weiter recherchiert. Das Resultat: Mit ihrer Diplomarbeit war sie sogar vor ihrem Plan fertig. Wer wünscht sich das nicht?

Ich will aber auch von Saliha wissen: Was ist dieser Ramadan eigentlich und warum fastet man da? Sie erzählt mir, dass der Ramadan der Monat war, in dem der Koran auf die Erde kam. Das Fasten selbst ist ja auch aus anderen Religionen bekannt – Christen fasten vor dem Osterfest – was auf eine Zeit in vorislamischer Zeit zurückzuführen ist , in der einmal drei Monate lang kein Krieg geführt werden durfte und alle besonders nett miteinander umgehen sollten (und das dann auch getan haben).

Nett miteinander und mit sich selbst umgehen – auch das soll man im Monat des Ramadans machen. Es ist gut für den Körper und auch für die Seele, wenn man versucht, sich auf positive Gedanken zu konzentrieren, füreinander da zu sein und zu reflektieren. Viele Muslime setzen sich in der Ramadan-Zeit auch Ziele für das kommende Jahr – wie wir es an Silvester machen.

Saliha beschreibt den Ramadan als eine wirklich schöne Zeit. Das glaube ich ihr. Und komme selbst ein bisschen ins Grübeln… Eigentlich ist diese Zeit des Wartens und Ablenkens etwas, das wir aus unserer Kindheit kennen. Wie lange war der graue, kalte Dezember, bis endlich Heiligabend war und die Lichter am Weihnachtsbaum angezündet wurden und was für ein zauberhaftes, besonderes Gefühl war das! Wisst Ihr noch? Sehnen wir uns nicht alle ein bisschen nach diesen Gefühlen? Das soll jetzt keine Gesellschaftskritik werden, aber: In unserer immer schneller werdenden Konsumgesellschaft, in der wir jederzeit und überall alles sofort haben können, was wir wollen, kann Aufsparen und Verzicht vielleicht auch uns darauf zurückbesinnen, wie zauberschön und wertvoll die kleinen und auch großen Momente und Dinge sein können.

Vielleicht sollten wir es Saliha und den anderen Muslimen gleich tun und auf irgendwas eine Zeit lang verzichten, um es danach umso mehr lieben lernen zu können. Und wenn es nur für 2,3 Tage ist und eine Kleinigkeit, Kaffee, der Freund, Facebook, ausufernde Shoppingtrips… Denn was ist schon ein wenig Magenknurren tagsüber gegen das Gefühl, etwas nach langem Warten endlich (wieder) zu bekommen – die Lichter des Weihnachtsbaums , die langersparte Reise ans Traumziel, ein zauberhaftes neues Kleid, einen Kuss vom Liebsten – oder eben das gemeinsame Abendessen mit den Liebsten. Wir haben es noch immer in der Hand, dieses ganz besondere Gefühl.

Selige Grüße,
Deine Kristin

3 Kommentare
  • Kristin am 16. Juni 2015

    Danke für den lieben Kommentar! Ich fand es auch wirklich spannend, mehr darüber zu erfahren. Liebe Grüße!

  • Joel am 26. Februar 2016

    Insgesamt ein sehr gelungener Artikel. Allerdings enpfand ich ihn in mancherlei Hinsicht etwas unpräzise. Sicherlich ist das Kopftuch ein Identitätsmerkmal und wird heutzutage modisch abgestimmt, doch in erster Linie ist er für mich und viele Kopftuchträgerinnen ein Glaubensbekenntnis und nicht etwa ein Accessoire, um sich hervorzuheben. Ganz sicher war das von Ihnen nicht so beabsichtigt, doch hatte ich das Gefühl, dass der theologische Aspekt etwas zu kurz kommt.

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