Krasse Kröte

Heiratsversprechen geben, ohne 100 % zu wissen, ob man es halten kann? (Peer, 30)

Sollte man ein Versprechen geben, von dem man nie 100%ig weiß, ob man es einhalten kann? Nämlich „… bis dass der Tod uns scheidet.“ Das Heiratsversprechen.

Hi Peer,

danke für diese gute Frage, für die ich mir jetzt erstmal einen starken Kaffee holen musste. Und ich hoffe nicht, dass alles schon zu spät ist und du gerade im Flieger nach Las Vegas sitzt. Obwohl du nicht so klingst, als wäre das wahrscheinlich.
Erstmal bin ich über deine Formulierung gestolpert: Ein Versprechen, von dem man nie 100%ig weiß, ob man es einhalten kann. Von wem sprichst du? Nur weil dein Testosteronspiegel dir zu Kopf steigt oder du jetzt schon ahnst, dass du dir mit 42 eine 25-jährige suchen wirst, heißt das noch lange nicht, dass andere ihr Heiratsversprechen nicht 120%ig absehen und einhalten können. Mistkerl!

Kleiner Scherz. Aber so oder so ähnlich könnte eine (weibliche) Reaktion ja durchaus aussehen, dabei finde ich es mehr als fair, diese Frage in den Raum zu stellen und lieber ehrlich zu zögern statt ein Ja-Wort abzugeben, bei dem dir schon im Standesamt ein wenig unwohl in der Magengegend wird. Ja, finde ich gut, dass du dir Gedanken darüber machst, was ein „Versprechen“ eigentlich bedeutet und ob du das verantworten kannst. Ich habe mal wieder bei Wikipedia nachgeschlagen und bin an folgendem Satz hängen geblieben:

Man kann etwas versprechen, ohne es halten zu können, im Glauben, es halten zu können.

Ein Versprechen ist ja eine Entscheidung. Und Entscheidungen können immer nur auf Basis aller verfügbaren Argumente und Gefühle im Hier und Jetzt getroffen werden. Klar, das stellt den Sinn des Heiratsversprechens per se in Frage und anders als beim Mietvertrag gibt es im Ehevertrag meines Wissens nach keine Kündigungsfrist, die einen Sinneswandel von vornherein als Möglichkeit einschließt. Wäre eigentlich keine schlechte Idee, wenn auch furchtbar unromantisch, und das ist wohl der Punkt bei diesem schwergewichtigen Ausnahmeversprechen. In der Liebe scheint es ein zutiefst menschliches Bedürfnis zu sein, in einem „immer und ewig“ fühlen zu wollen und die Menschen genießen es, wenn ein anderer Mensch diesen Glauben, diese Hoffnung in einem auslöst – und man auch umgekehrt ein solcher Hoffnungsträger für den anderen ist. Die höchst romantische Absicht, die bei der Hochzeit zelebriert wird, rührt Hochzeitsgäste sogar kulturübergreifend zu Tränen, wenn das Brautpaar auf der Bildfläche erscheint. Hier geht es weniger um das rationale Wissen als um den guten Glauben und den tiefen Wunsch, den man, wenn es vor dem Altar hart auf hart kommt, bezeugt. Der Satz Bis dass der Tod uns scheidet ist übrigens gar nicht mehr Teil aller Zeremonien. Ist ja auch eine krasse Nummer.

Das Gute ist: Es bleibt ja jedem selbst überlassen. Weder musst du romantisch an das Konzept der ewigen Liebe glauben. Und wenn du daran glaubst, musst du es trotzdem nicht in Form einer Heirat zelebrieren. Denn neben der philosophischen Betrachtung des „Versprechens“ gibt es ja noch eine ganze Reihe anderer Argumente, die für oder gegen das Heiraten im Allgemeinen sprechen. Zum Glück gibt es viele Wege, sein Leben zu leben und Beziehungen zu gestalten! Und immer irgendwo einen Menschen, der das genauso sieht wie du.

Bleib integer, lass dich überraschen und Highfive!
Stefanie

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