Krasse Kröte

Dürfen homosexuelle Pärchen Kinder haben? (Katrin, 21)

Dürfen homosexuelle Pärchen Kinder haben? (Katrin, 21)

Liebe Katrin,

das ist wirklich eine verdammt schwere Frage! Man tut sich in unseren – teilweise – sehr liberalen Zeiten vielleicht leicht mit der schnellen Antwort „Ja klar!“, aber dieses in vielerlei Hinsicht sehr diffizile Thema verdient eine genaue Betrachtung. Eine persönliche Meinung zu nennen, ist hier weniger eine Frage des Mutes, sondern eher der Informiertheit. Ich habe mich da mal reingefuchst und nenne jetzt erst mal die Fakten, die man zusammen tragen kann. Wobei es auch viele Ausnahmen und Einzelfälle gibt, die alles verschwurbeln. Und deine Frage ist ja auch das „Kinder haben“ und nicht das „Kinder bekommen“ – auf das ich aber auch eingehen möchte. Aber der Reihe nach.

Die rechtliche Seite sieht so aus, dass Paare in eingetragenen Lebenspartnerschaften in Deutschland kein deutsches Kind adoptieren dürfen. Die Union lehnt Gesetzesänderungen in dieser Hinsicht leider nach wie vor konsequent ab. Momentan gibt es zwei mögliche Lösungswege: der erste ist der, als Einzelperson (also wenn man (noch) nicht verpartnert ist) ein Kind zu adoptieren, bzw. das zu versuchen. Für einen Menschen alleine ist das meistens schwieriger als für ein verheiratetes, heterosexuelles Paar, da dieser Familientypus von den Jugendämtern bevorzugt wird. Aber es ist nicht aussichtslos und auf jeden Fall einen Versuch wert, wenn man offen dafür ist und nicht unbedingt ein leibliches Kind will.
Die zweite Option ist die Auslandsadoption: Kommt ein Kind aus einem Land, das das „Haager Adoptionsabkommen“ mit unterzeichnet hat, ist eine Adoption über eine autorisierte Vermittlungsstelle prinzipiell möglich. Wobei homosexuelle Paare auch hier auf Probleme stoßen können, je nachdem, wie liberal das Land ist, aus dem sie adoptieren möchten. Alternativ kann auch eine Adoption versucht werden aus einem Land, das besagtes Haager Abkommen nicht unterzeichnet hat, was aber ebenso problematisch werden kann.

Genau so können Menschen, deren Partner/in aus einer früheren heterosexuellen Beziehung ein leibliches Kind hat, dieses adoptieren, wenn das Kind im gemeinsamen Haushalt der beiden lebt und eine stabile Beziehung zum Partner/zur Partnerin des leiblichen Elternteils hat. Das nennt sich dann Stiefkindadoption, wobei der andere leibliche Elternteil der Adoption zustimmen muss – und dann rechtlich kein Kind mehr besitzt… Das Jugendamt prüft wie bei einer klassischen Adoption die Gesundheit des Stiefelternteils und die wirtschaftlichen Verhältnisse, da das Kind nach erfolgter Adoption seinen Unterhaltsanspruch gegenüber dem anderen leiblichen Elternteil verliert.

Für Frauen gibt es natürlich die Option, durch Samenspende – oder andere private Kontakte – schwanger zu werden und den Vater als nicht bekannt anzugeben, um Sorgerechtsstreitigkeiten aus dem Weg zu gehen und dann kann die Partnerin – unter der Voraussetzung einer bereits eingetragene Lebenspartnerschaft der beiden, das Kind adoptieren. Allerdings halten nicht alle Gerichte diese Vorgehensweise für zulässig, es könnte also zu Problemen kommen.

Zudem ist es rein rechtlich in Deutschland erlaubt, dass sich eine in einer homosexuellen Beziehung lebende Frau per Insemination den Samen eines Spenders einführen bzw. per In-Vitro-Fertilisation ihre Eizellen befruchten lassen darf. Allerdings stehen wohl viele Ärzte dem skeptisch gegenüber und die Berufsordnungen mancher Landesärztekammern verbieten sogar ihren Mitgliedern, diese Behandlungen bei lesbischen Frauen durchzuführen. Im Ausland sieht es da teilweise ganz anders aus: In den Niederlanden oder in den USA sind anonyme Samenspenden und Inseminationen bei homosexuellen oder auch – unabhängig von der sexuellen und romantischen Orientierung – alleinstehenden Frauen nichts Ungewöhnliches mehr.

Für Männer gestaltet sich die Kinder-Thematik biologisch wie auch rechtlich unfairer: sie können neben der klassischen Adoption (deren Erfolgsaussichten unklar sind) im allgemeinen nur ein eventuelles leibliches Kind aus einer früheren heterosexuellen Beziehung ihres Partners annehmen bzw. adoptieren – aber auch nur dann, wenn die leibliche Mutter des Kindes dem zustimmt. Rein rechtlich betrachtet hätte sie dann, wie oben schon erwähnt, kein Kind mehr – was eine ziemlich krasse Sache ist. Schwule Paare können sich hierzulande übrigens nicht, wie zum Beispiel in Amerika, eine Leihmutter engagieren, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Das ist in Deutschland allerdings auch für heterosexuelle Paare verboten.

Die kurze Antwort auf deine Frage lautet nach so vielen Erklärungen also: Ja, homosexuelle Pärchen dürfen Kinder HABEN. Sie zu BEKOMMEN ist nur nicht immer so leicht.

Und dann wäre da ja noch die emotionale und die moralische Seite und all das, was bei dem Thema noch zu bedenken ist.
Das Bedürfnis nach eigenen Kindern ist prinzipiell in jedem Menschen genetisch angelegt (auch wenn es vielleicht nicht immer zum Vorschein kommt) – und auch die emotionale Sehnsucht danach. Da Nachwuchs so ein urmenschliches Bedürfnis ist, sollte diese intensive und außergewöhnliche, lebensverändernde Erfahrung jedem Menschen zu teil werden können. Die Gesetze in Deutschland – und vielen anderen Ländern – erschweren dies, aber auch die erwähnten anderen Ungleichheiten, wie dass Männer nun mal rein körperlich kein Kind austragen, sondern „nur“ den Samen dafür liefern und alleine nicht für Nachwuchs sorgen können. Zudem wird auch körperlich und/oder geistig behinderten Menschen rechtlich und von vielen Menschen auch moralisch das Recht abgesprochen, Kinder zu bekommen.
Und gleichgeschlechtlichen Paaren wird sie zumindest rechtlich eben so wenig zugestanden, wenn es sich dabei um Männer handelt – Frauen können das Problem ja manchmal selbst lösen, auf die ein oder andere Art. Es ist also nicht jedem Menschen möglich, Kinder zu bekommen, auch wenn dies ein sehnsüchtiger Wunsch ist. Vielleicht wird sich zumindest die rechtliche Lage hierzu in Zukunft ändern, das wäre sehr wünschenswert und auch nur angebracht, die traditionelle Definition von Familie aufzulockern und jedem Menschen das Recht auf Entfaltung seiner selbst zuzugestehen.

Allerdings finde ich auch, dass ein Kind idealerweise mit einem Mann und einer Frau als Bezugspersonen aufwachsen sollte. Jungs schauen sich bei Männern in ihrem Umfeld an, was Männlichkeit ist und für Mädchen ist es in der Entwicklung wichtig zu erfahren, was Weiblichkeit ist und sein kann. Besonders in der Pubertät sollte jedes Kind einen Ansprechpartner des eigenen Geschlechtes um sich herum haben, das die körperlichen und emotionalen Veränderungen in dieser Umbruchszeit verstehen und ihm zur Seite stehen kann.
Das muss sich aber nicht zwangsläufig im Sinne der klassischen Familienstruktur äußern, sondern mit einem Mann und einer Frau, also Angehörigen beider Geschlechter, mit denen das Kind emotional tief verbunden ist. Das können sehr enge Freunde der Eltern, deren Geschwister oder Patentante/-onkel sein, die Vorbilder und Vertrauenspersonen sind. Vielleicht sind homosexuelle Paare teilweise sogar viel engagierter und liebevoller im Umgang mit ihrem Kind, weil sie um das Besondere ihrer Situation wissen und sich bewusst für ein Kind entschieden haben.

Schlussendlich ist aber die Liebe das Wichtigste für ein Kind, wie für jeden Menschen, und die kann ihm von einem Mann, einer Frau, zwei Frauen oder zwei Männern genau so geschenkt werden, wie von einem Mann und einer Frau.

Alles Liebe für dich! 🙂
Anna

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