Krasse Kröte

Darf ich zu Weihnachten allen etwas schenken? (Annika, 28)

Ich frage mich dieser Tage, ob man wirklich jedem etwas zu Weihnachten schenken darf. Oder sollte man Rücksicht auf die Gefühle der anderen nehmen, die einem selbst vielleicht nichts schenken? Zum Beispiel auf die einer Freundin, die in diesem Jahr keine Zeit hat, Geschenke einzukaufen geschweige denn selbst zu machen und die deshalb auch selbst nichts geschenkt bekommen möchte. Sollte ich ihren Wunsch respektieren oder ihr trotzdem etwas schenken, wenn ich das will?
Und was ist mit dem Mann, mit dem ich seit vier Monaten eine Affäre habe – ich glaube nicht, dass er mir etwas schenkt (er ist Weihnachtsgegner und auch nicht so großzügig), würde ihm aber schon gerne eine Kleinigkeit schenken, will aber auch nicht, dass unser Verhältnis dadurch kippt, dass ihm das unangenehm ist oder er denkt, ich hänge mehr an ihm als er an mir. Was nun? (Annika, 28)

Liebe Annika,

Weihnachtsgeschenke sind ein Politikum. Deine Frage ist ein schöner Beweis dafür. Mich nervt das alle Jahre wieder. Zumindest den Weihnachtsgeschenken unter Erwachsenen würde ich am liebsten eine konsequente Absage erteilen und endlich sagen: Ich will zu Weihnachten nix. Und Ihr bekommt auch nix. Jedenfalls nichts, was sich in Geschenkpapier wickeln oder in einen Umschlag stecken lässt. Lasst uns einfach Zeit miteinander verbringen, mit leckerem Essen, guten Gesprächen oder einem schönen Winterspaziergang. Versteh mich nicht falsch: Ich habe überhaupt nichts gegen Geschenke. Ich freue mich, wenn ich eines bekomme. Und ich schenke auch gerne, sofern eine gute Idee mit dem passenden Zeitpunkt verschmilzt. Das ist an Weihnachten aber eher eine Frage des Zufalls.

Weihnachtsgeschenke bergen so viel kopfgemachten Zündstoff und Du sprichst eine Menge davon an. Woher kommt das?

Leider ist das Schenken in der menschlichen Denke nicht immer ein selbstloser Akt, der frei von Erwartungen ist. Das zeigt die Intervention deiner Freundin: Sie hat keine Zeit fürs Geschenkekaufen. Und es wäre ihr schrecklich peinlich, wenn ihr dann trotzdem die Ehre eines Geschenks zuteilwürde. Was für dich ein Akt des Herzens wäre – nämlich ihr eine selbstlose Freude zu machen, unabhängig von ihrem Einsatz – bringt sie in eine Situation, in der sie sich vielleicht schlecht fühlt. Durch ihre Ansage will sie dem Dilemma ein Schnippchen schlagen. Was ist, wenn du dich an ihren Deal hältst? Dann sähe es so aus, als würdest du das Schenken für ein blutleeres Tauschgeschäft halten, was aber nicht stimmig wäre, wenn ich deine liebenswerte Frage richtig interpretiere. Ich fürchte also, du kannst es im Falle Deiner Freundin nur falsch machen, es sei denn, du bedienst dich eines kleinen Kniffs und schenkst ihr Zeit. Die Gute scheint ja mächtig unter Stress zu stehen. Wie wäre es mit dem Vorschlag, im neuen Jahr mit ihr einen entspannten Tag zu verbringen?

Was deine Affäre angeht: Hochgefährliche Angelegenheit. Auch hier kann die Geste fälschlicherweise als Symbol verstanden werden, das zwischen den Zeilen nur so strotzt vor Erwartungen. Und da kann ein unverbindlicher Lover schon mal volle Hosen kriegen. Nachtigall, ick hör dir trapsen. Die Sexmaus wird doch nicht etwa anfangen, mit Gefühlen zu nerven? Hier ist die Frage: Was ist dein wahres Motiv, ihm ein Geschenk zu machen? Und kannst du damit leben, wenn das in die Hose geht und du in ein sehr betretenes, vielleicht panikerfülltes Gesicht schaust? 😉 Und was, wenn er zu deiner völligen Überraschung doch mit einer Perlenkette aufwartet, weil die Gefühle ganz anders liegen, und Du ohne was dastehst?

Ohne was dastehen: Das bringt mich zu der Idee, dass ein unverfänglicher Kompromiss vielleicht in einer Lingerie zu finden ist. Das Ergebnis kannst du dann flexibel als Geschenk für ihn oder wahlweise auch als neue Anschaffung für dich deklarieren. So ist das Kerlchen fein raus. Und du auch.

Was aus Deiner Frage aber vor allem spricht: Das Schenken ist dir eine wahre Freude. Und der darfst du selbstverständlich nachgehen. Mit etwas Geschick bringst du das genau so rüber, sodass die Beschenkten nicht in ein schlechtes Gewissen verfallen. Das mit den liebevollen Aufmerksamkeiten ist schließlich auch Typsache. Nicht jeder hat das gut drauf, ohne dass es ein Zeichen fehlender Zuneigung oder Unachtsamkeit wäre. Aber das ist eben die Crux mit den Weihnachtsgeschenken. Es kann so vieles damit gemeint sein. Und so vieles darin gesehen und verstanden werden. Ein echtes Kommunikationsproblem.

– Mit echter Freude selbstlos schenken.
– In sich ruhend leer ausgehen können.
– Ganz bewusst nichts schenken.

Wenn das alles sein darf und jeder damit d’accord ginge, könnte Weihnachten in einer idealen Welt doch echt ein frohes Fest sein.

Das wünsche ich dir – in jedem Fall.

Ganz liebe Grüße
Stefanie

Du hast eine Frage an den Blog? Fülle das Kontaktformular auf der Startseite aus.

2 Kommentare
  • Cecilia am 16. Dezember 2014

    Das einzige, um Heil aus beiden Angelegenheiten zu kommen, scheint mir auch, ‚Zeit miteinander‘ zu schenken zu sein. Alles sonstig materielle und schön eingepackte hat die Möglichkeit zu Folge, dass entweder der andere nichts hat um dein Geschenk zu erwidern (und dumm da steht), oder eben du nichts hast (und eben du dumm aus der Wäsche guckst). Zeit miteinander zu verbringen als Geschenk zu verkaufen ist dann aber wieder eine Sache an sich. Im Falle der gestressten Freundin wird ein entschleunigter Tag bestimmt als Geschenk, allerdings vermutlich nicht als Weihnachtsgeschenk aufgefasst. Und bei der Affäre … nun ja. Die ist für die Beteiligten doch nur solange gut, solange beide tun, was sie möchten. Oder?
    Insofern würde ich in beiden Fällen eh das tun, was ich möchte. Wenn ich schenken will, dann schenke ich auch. Bin mir aber im klaren darüber, dass eine etwas betretene Situation entstehen kann. Und werd darüber weg reden, so dass ggf am Ende alle lachen können.
    Insofern: Frohes Schenken!

  • Stefanie am 20. Januar 2015

    Hi Cecilia, danke für deinen Kommentar. Hoffe an Weihnachten ist alles glimpflich abgelaufen. 😉

Schreibe einen Kommentar

*