Krasse Kröte

Darf ich mir vom Bafög einen Hund kaufen? (Jana, 20)

Kann ich mir vom Bafög und dem Unterhalt meiner Eltern wirklich einen Hund kaufen?
Es ist eine reiflich überdachte Anschaffung – so ist es nicht, aber an sich ist es ja nicht mein Geld, was mir aber doch zusteht?! Oder nicht? – ich bin in einer Zwickmühle
(Jana, 20)

Liebe Jana,

deine Frage hat in unserem Team einen nahezu brennenden philosophischen Eifer entfacht. Schließlich geht es hier nicht einfach um den Wunsch nach einem Hund. Vielmehr stellst du eine existenzielle Sinnfrage in den Raum: Wer bestimmt, für was ich mein Geld ausgeben darf? Wann gehört Geld eigentlich mir? Und welche Anschaffungen haben – in deinem Fall – tatsächlich noch mit dem viel besungenen Lebensunterhalt zu tun oder sind einfach verschwenderischer Luxus?

Aber der Reihe nach. Ziel von BaföG ist es, „allen jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, unabhängig von ihrer sozialen und wirtschaftlichen Situation eine Ausbildung zu absolvieren, die ihren Fähigkeiten und Interessen entspricht“. Quelle. Heißt, das Geld ist für alle Ausgaben gedacht, die das Studium betreffen. Und parallel sollst du dir dafür einen Platz zum Schlafen und regelmäßige Mahlzeiten leisten können.

Dass ein Studium nicht nur aus Lernen, Essen und Schlafen besteht, ist allerdings auch allen klar. Aus diesem Grund versuchen die meisten Studenten, ihre eher kärglichen Bezüge durch Nebenjobs, Unterstützung der Eltern oder weitere Möglichkeiten der Studienförderung aufzubessern. Das Geld aus den zusätzlichen Finanzquellen wird dann etwa für Kleidung, die PC-Ausrüstung, aber auch für das ein oder andere Kaffeekränzchen mit Freunden ausgegeben. Du merkst wahrscheinlich schon worauf ich hinaus möchte: Lebensunterhalt ist das eine, Leben etwas ganz anderes. Und jeder definiert die Ausgaben für Lebensunterhalt anders, da jedem in seinem Leben etwas anderes ganz besonders wichtig ist.

Das wäre ja auch noch schöner: Wenn ich mein Geld immer nur zweckgebunden einsetzen dürfte, müsste mein Gehalt dann auch für das stets aktuellste Smartphone draufgehen, damit ich morgens in der Bahn noch ein bisschen schneller meine E-Mails checken könnte? Und sollte ich stattdessen lieber auf den guten Biojoghurt verzichten und zur Holzspäne-Dickmilch mit Erdbeergeschmacksverstärker greifen?

Ich denke, beim Umgang mit den eigenen Finanzen ist in erster Line gesunder Menschenverstand gefragt: Natürlich sollten deine Ausgaben zunächst einmal immer deine Grundbedürfnisse decken. Und man sollte seine Ressourcen auch nicht sinnlos verschleudern. Wer zwar die begehrtesten Konzerttickets, aber am Ende des Monats kein Geld mehr für die Miete hat, wird auf Dauer auch nicht glücklich. Wie man aber sein Geld darüber hinaus einsetzt, muss jedem selbst überlassen sein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das auch deine Eltern wissen: Ihnen ist es natürlich an erster Stelle wichtig, dass du deine Ausbildung durchziehst. Darüber hinaus würden sie dich aber nicht unterstützen, wenn ihnen nicht auch klar wäre, dass zum Studentenleben ein bisschen mehr gehört. Ob das nun ausufernde Partys sind oder eben der Hund: Von zentraler Bedeutung ist, dass du ihnen klar machst, dass dein Studium nicht unter deiner Freizeitgestaltung leidet.

Da du jedoch schreibst, dass es sich bei deinem Wunsch um eine reiflich überdachte Anschaffung handeln würde – was für mich sehr vernünftig und verantwortungsbewusst klingt – werden sie dir mit Sicherheit vertrauen. Schließlich hättest du mit einem Nebenjob (einer Alternative zur Unterstützung deiner Eltern) wahrscheinlich noch weniger Zeit fürs Lernen als mit einem Hund. Der kann für deine Studienzeit sogar ein echter Gewinn sein: Hunde wirken ausgleichend und beruhigend, du musst zeitig aufstehen, kannst nicht bis spät in die Nacht feiern und kommst viel an die frische Luft (gut fürs Gedächtnis)! Um das BaföG-Amt musst du dir keine Gedanken machen: Ein Nachweis, wofür das Geld vom Staat ausgegeben wird, ist nicht nötig. Die Meinung in unserem Team war übrigens einhellig: Her mit dem Hund! Wir sprechen dabei aus eigener Erfahrung: In unserem Büro tummeln sich zeitweise bis zu drei Exemplare, die den Alltag regelmäßig ein bisschen entspannter machen.

Viel Spaß mit deinem neuen besten Freund wünscht,
Sabrina

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