Krasse Kröte

4 neue Shirts pro Woche normal? (Ella, 25)

Was meint ihr, ist es normal, sich jede Woche neue Klamotten zu kaufen? Viele meiner Freunde kaufen sich in der Woche mindestens 4 neue T-Schirts und meinen, im Monat müssen es 2 neue Hosen sein. Ich finde das total übertrieben (Ella, 25).

Liebe Ella,

das ist ja allerhand. Hochgerechnet handelt es sich also um 208 T-Shirts und 24 Hosen pro Jahr. In zehn Jahren sind wir dann schon bei 2.080 T-Shirts und 240 Hosen. Nach einigem Überlegen gebe ich Dir Recht: Das ist übertrieben. Und nicht normal. Aber Spaß beiseite: Ich kenne auch ein paar Menschen, die gefühlt jeden Tag ein anderes Outfit tragen, das sich niemals, niemals wiederholt. Wie sie das alles bezahlen, aufbewahren, waschen und bügeln ist mir ein Rätsel. Ich vermute, dass es sich bei diesen Käufen oft um Einweg-Klamotten handelt, die nach einem Waschgang bereits Farbe und Form verlieren. Wem’s gefällt…

Den flüchtigen Kick, sich etwas Neues zu kaufen, kenne ich aber auch. Und die rasch eintretende Langeweile, die beim Anblick des vorhandenen Bestands eintritt. Wir Frauen kennen das ja besonders gut. Wir bringen es fertig, morgens vor einem vollen Kleiderschrank zu stehen und zu heulen „Ich hab nix zum aaaanziiiiiehen!!!“. Spätestens im Frühjahr fehlt die berüchtigte Übergangsjacke. Wer sich dann noch an der aktuellen Mode orientiert, kennt das Rattenschwanz-Phänomen: Ein neu angeschafftes Teil erfordert reihenweise andere Teile, die dazu passen müssen. Und schon mutieren wir zu shoppenden Opfern des Modediktats. Männern geht es meiner Beobachtung nach tendenziell eher mit Handys und anderen elektronischen Geräten so, die ersetzt werden müssen, sobald die Ladegeschwindigkeit um wenige Millisekunden nachlässt und das Nachfolgemodell als must-have angepriesen wird.

Zu konsumieren kann schlicht und einfach Spaß machen. Aber manchmal sind es auch kleine Löcher in unserem Inneren, die gestopft werden müssen. Es geht um das diffuse Gefühl, dass uns „etwas fehlt“. Wir kommen oft nicht drauf, was es tatsächlich ist. Aber für ein paar Stunden oder Tage geben uns die neuen Schuhe oder der noch leichtere Laptop ein gutes Gefühl, was uns auch beim nächsten Mal wieder verleitet, die kleine Leere mit dem Kauf nicht immer nötiger Dinge zu kompensieren. Eine Illusion, die manchmal vielleicht aus einem Mangel an anderen glücksbringenden Alternativen aufrechterhalten wird.

Deinen shoppingverrückten Freunden sei ein alter Beatles-Song empfohlen, jedenfalls diese Textzeilen daraus:

Say you don’t need no diamond rings
And I’ll be satisfied
Tell me that you want the kind of things
That money just can’t buy

I don’t care too much for money
Money can’t buy me love.

(Lennon / McCartney: Can’t bye me love).

Auch wenn es um Klamotten geht, empfehle ich zeitlose Evergreens, die sich mit möglichst vielen Stücken kombinieren lassen. Und lass dich nicht beirren von der Kaufwut der anderen. Vielleicht inspiriert dich ja dieser Blogbeitrag, in dem um das Experiment geht, mit insgesamt 33 Kleidungsstücken auszukommen.

Viel Spaß beim nächsten Shopping-Trip und bei den vielen anderen schönen Dingen, die das Leben zu bieten hat, wünscht dir:

Stefanie

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